Das plötzliche Anhalten vor einem Abgrund.

Obwohl der Sprung die größte Bewunderung bei den Zuschauern erregt, so wird mit Fug und Recht bei unseren jährlichen Skiversammlungen dem Fernlauf die größte Bedeutung beigelegt. Mancher glaubt, daß es nur darauf ankommt, Stärke und Widerstandskraft zu besitzen, um schnell lange Strecken auf Ski zurücklegen zu können, aber dies ist ein Irrthum. Es kommt in ebenso hohem Grade darauf an, daß man mit dem Gebrauch der Ski vertraut ist; am besten ist es, wenn man von Kindheit an Uebung im Laufen hat, so daß man mit so wenig Schwierigkeit wie möglich vorwärts gleitet. Durch lange Uebung, besonders in der Kindheit, werden auch die Muskeln und derjenige Theil des Nervensystems, der bei der Führung der Ski hauptsächlich in Anwendung gelangt, stärker entwickelt. Was die Gewohnheit macht, ist leicht zu verstehen, wenn man einen geübten und einen ungeübten Skiläufer nebeneinander sieht, — der Geübte gleitet dahin, als wenn das Ganze ein Kinderspiel wäre, während der Ungeübte mit dem ganzen Körper arbeitet und eine ganze Menge Muskelkraft vergeudet, um die nöthige Bewegung zu erzielen. Man wird aus dem Grunde äußerst selten sehen, daß Leute, die erst im späteren Alter die Benutzung der Ski erlernen, sichere und ausdauernde Skiläufer werden. Bei wenig Dingen trifft deswegen die Bedeutung des Sprichwortes: „Guter Haken krümmt sich früh“ mehr zu als bei diesem Sport; das ganze Körpersystem muß am liebsten damit aufwachsen. Man darf aber hieraus nicht schließen, daß das Skilaufen eine einseitige Ausbildung zur Folge hat, — im Gegentheil, wohl nichts entwickelt den Körper gesunder und harmonischer. Nicht allein die Beine, sondern auch der Oberkörper und die Arme werden in Mitleidenschaft gezogen. Die letzteren erhalten eine gesunde Bewegung durch die Benutzung des Stabes während des Laufes, besonders wenn man einen solchen in jeder Hand hat, so wie es in einigen Gegenden von Lappland Sitte ist, und wie es auch in letzter Zeit bei schnellem Laufen in Norwegen in Anwendung gelangte. Auf der Wanderung über das grönländische Inlandseis bedienten auch wir uns zweier Stäbe.

Es ist unmöglich, eine Norm für die Geschwindigkeit aufzustellen, zu der ein tüchtiger und ausdauernder Skiläufer es bringen kann, da dies hauptsächlich von dem Terrain und von der Beschaffenheit des Schnees abhängt. Auf guter Bahn und bei einigermaßen günstigem Terrain kann man jedoch annehmen, daß er täglich ungefähr 100 Kilometer zurückzulegen vermag.

Der längste Distancelauf, der in Norwegen abgehalten wurde, fand im Februar 1888 bei Kristiania statt. Die Bahn war 50 Kilometer lang und ging größtentheils über hügeliges, unebenes Waldterrain, — unterwegs waren viele Hindernisse verschiedenster Art aufgestellt, um die Tüchtigkeit der Skiläufer zu erproben. Der Sieger legte die Bahn in 4 Stunden 26 Minuten zurück.

Der längste Distancelauf auf Schneeschuhen, der überhaupt bekannt ist, wurde auf Veranlassung der Freiherren Dickson und Nordenskjöld am 3. und 4. April 1884 in Jokkmokk im nördlichen Schweden abgehalten. Den ersten Preis errang der Lappe Tuorda — 37 Jahre alt — der Nordenskjöld auf seiner Reise über das grönländische Inlandseis begleitet hatte. Er legte nach Angabe der Preisrichter 220 Kilometer in 21 Stunden 22 Minuten zurück, — der zweite, ebenfalls ein Lappe — 40 Jahre alt — kam 5 Minuten später an, und von den 6 Männern, von denen 5 Lappen waren, kam der letzte 46 Minuten später als der erste an. Die Bahn war beinahe eben und führte zum größten Theil über eisbedeckte Seen, — folglich muß sie sehr leicht gewesen sein, wie auch die Beschaffenheit des Schnees sehr günstig gewesen sein muß.

Bei früheren arktischen Expeditionen sind merkwürdigerweise die Ski nur selten oder gar nicht zur Anwendung gelangt. Auf dem grönländischen Inlandseis sind sie nur von sehr wenigen Expeditionen benutzt worden.

Schon im Jahre 1728 wurde sonderbarerweise der Gedanke in Dänemark rege, daß, wenn das Innere Grönlands untersucht werden sollte, dies nur auf Schneeschuhen geschehen könne, „indem einige junge, kecke norwegische Leute, die daran gewöhnt waren, im Winter auf Ski in den Bergen zu jagen, einen guten Theil des Landes nach allen Richtungen hin erforschen konnten.“ Dieser Gedanke wurde jedoch von den Dänen niemals zur Ausführung gebracht.

In den „Nachrichten von Island, Grönland und Davisstraße“ von Johann Anderson (Hamburg 1746) wird u. a. erzählt, daß ein Schiffer es auf alle Weise versucht habe, in das grönländische Inlandseis einzudringen „sogar mit den langen Fußbrettern, deren sich bekanntlich die Lappen und Andere bei ihren Winterzügen bedienen, doch hat er nicht weit ins Land hinein gelangen können, und nachdem er einen seiner Begleiter verloren hatte, der sich zu weit vor wagte und vor ihren Augen versank, so daß sie wohl seine Schreie und Klagen hörten, ihm aber nicht zu Hülfe kommen konnten, hat er ohne diesen Menschen und ohne die Hoffnung, jemals weiter vordringen zu können, umkehren müssen“.

1878 nahm die dänische Expedition unter Kapitän Jensen Ski mit, benutzte sie aber nicht. Jensen berichtet, daß sie dagegen gute Dienste als Feuerungsmaterial thaten.

Ski wurden ferner von 2 Lappen benutzt, die Nordenskjöld im Jahre 1883 begleiteten, sowie von Peary und Maigaard im Jahre 1886.