Reykjanäs mit Islands einzigem Leuchtthurm.
(Von Th. Holmboe nach einer Skizze des Verfassers.)

Die einzige Abwechselung in dieser Einförmigkeit bildeten einige Dampfsäulen, die an mehreren Stellen aus den kochenden, schwefelhaltigen Quellen aufsteigen, deren es mehrere auf dieser Halbinsel giebt. In der Entfernung gesehen, sind sie rauchenden Kalköfen nicht unähnlich.

Reykjavik mit Islands einziger Landstraße. (Nach einer Photographie.)

Vor Reykjanäs ragen mehrere Klippen und Felsen aus dem Meere empor. Die auffallendste dieser Formationen ist der sogenannte „Mehlsack“, der wahrscheinlich so genannt ist, weil er eine gewisse Aehnlichkeit mit einem mächtigen Sack hat, der aufrecht im Meere steht. Diese Klippen sind bekannt, weil dort einstmals viele Scharen des jetzt ausgestorbenen Geiervogels (Alca impennis) hausten.

Nachdem wir uns durch Wind und starken Seegang hindurchgekämpft hatten, welch letzterer „Thyras“ Fahrt auf ein fast negatives Resultat reduzirte, gelangten wir endlich in der Nacht nach Islands Hauptstadt Reykjavik.

Wir sollten uns hier nicht lange aufhalten, hatten aber doch am Morgen des nächsten Tages Gelegenheit, an Land zu gehen und die Stadt während einiger Stunden zu besehen.

Reykjavik ist keine große Stadt, sie hat ungefähr 3-4000 Einwohner und besteht aus kleinen hölzernen Häusern, die über eine Ebene zerstreut liegen. Es sind dort nur zwei Steingebäude, — das Althingsgebäude, in welchem Islands Althing oder Reichstag tagt, und die Domkirche, — sie sind aus Lava gebaut, woran die Insel sehr reich ist, da die Lava fast den Hauptbestandtheil derselben bildet; man kann sich nur wundern, daß nicht mehr Häuser aus diesem Material erbaut werden, um so mehr als die Insel nicht einen einzigen Baum aufzuweisen hat und jedes Stückchen Holz von außen her, größtentheils aus Norwegen, eingeführt werden muß. Vor dem Althing liegt ein großer, grasbewachsener Platz, der Austarvöllur, auf dem eine Bildsäule aus Bronze von Thorwaldsen steht, dessen Eltern aus Island stammen sollen.

Reykjavik muß eine äußerst bureaukratische Stadt sein, denn, wie man sagt, wohnen nicht weniger als vierzig Beamte dort, so daß also mindestens ein Beamter auf je hundert Einwohner kommt. Die armen Menschen! Man sollte fast glauben, es müsse ein reiches Land sein, das so viele Standespersonen ernähren kann!

Späterhin am Tage verließen wir Reykjavik, nachdem wir die Offiziere an Bord des dänischen Kriegsschiffes „Fylla“ begrüßt hatten, das in den Hafen dampfte, als wir eben im Begriff waren, ihn zu verlassen.