Der Handelsplatz, der seinen Namen dem Umstand verdankt, daß dort früher das Thing abgehalten wurde, liegt auf einer angeschwemmten Bank — isländisch „eyre“ — oder Landzunge, die sich ins Meer erstreckt. Diese Landzunge ist eine Moräne, welche vor langen Zeiten, als Island mit Eis und Schnee bedeckt war, von dem Gletscher vorgeschoben worden, der den Fjord füllte und ihn — wenigstens theilweise vertieft und gebildet hat. Nach innen liegen mehrere solcher Moränen, eine vor der anderen, und sie erstrecken sich gleich flachen Rücken theils über, theils unter dem Wasser quer durch den Fjord; sie erschweren das Vordringen der Schiffe und Böte oft sehr.
Der südliche Theil des Vestfirdir, vom Glamujökull aus gesehen.
(Nach einer Skizze des Verfassers.)
Diese Moränen sind unwiderlegliche Zeugen aus der Eiszeit, und in ihnen sind unendliche Massen von Steinen und Sand fortgeschoben worden.
Dyrafjord ist zu beiden Seiten von steilen Basaltfelsen, ähnlich wie wir sie auf den Faröern sahen, umgeben und im Hintergrunde wird es von dem mächtigen Glamujökull abgeschlossen. Dieser ist freilich nicht sehr hoch — er mißt ungefähr 910 m —, aber er ist doch der höchste Berg des Westlandes, das im Grunde eine Insel für sich selbst bildet und nur durch eine 10 km breite Landenge mit dem Hauptlande verbunden ist.
Der Glamujökull besteht wie die ganze Landschaft hier rings umher aus Basalt. Eines Tages bestiegen wir den Jökull. Wir nahmen Ski und Truger mit, da es so aussah, als wäre dort oben tiefer, weicher Schnee. Darin hatten wir uns jedoch geirrt, wir fanden sehr harten Schnee, auf dem man sehr wohl gehen konnte, der aber auch eine vorzügliche Skibahn darbot, ja eine allzugute, wie wir später zu unserem Kummer erfahren sollten.
Wir hatten das schönste, klare Wetter und eine vorzügliche Aussicht vom Gipfel herab. Es ist eine ganz eigenartige Landschaft, die man hier vor sich hat, eine schneebedeckte, auffallend flache und ausgedehnte Hochebene, die sich nach allen Seiten steil ins Meer stürzt. Im Hintergrunde nach Süden zu sieht man den Snefellsjökull am Horizont emporragen, leicht kenntlich an seiner kegelförmigen Gestalt.
Man erhält von hier oben gleichsam plötzlich einen deutlichen Ueberblick über die Entstehung des ganzen Landes, wie die Basaltströme, aus denen es gebildet ist, sich still und gleichmäßig nach allen Seiten ergossen und eine große, zusammenhängende Fläche gebildet haben. Dann ist das Meer und das Wetter mit Frost und Regen gekommen und während der Eiszeit kamen die Gletschermassen und zehrten an der Fläche, besonders an den Rändern, wo sich Fjorde und Thäler (Senkthäler) bildeten. Späterhin hat die Verwitterung die Erweiterung derselben fortgesetzt, sie haben jedoch nur am äußersten Rande einzudringen vermocht, während die Hochebene in ihrem Innern noch ebenso flach und unberührt daliegt, als da sie gebildet wurde.
Isländischer Bauerhof.
(Von A. Nielsen nach einer Photographie.)