Altes Klappmützenmännchen.
(Von E. Nielsen nach einer Skizze des Verfassers.)
Diese Erklärung erscheint mir jedoch lange nicht überzeugend; freilich führen die Männchen in der Brunstzeit heftige Kämpfe miteinander, aber ich kann nicht einsehen, weshalb gerade die Nasen dabei so ausgesetzt sein sollten.
Die Klappmütze ist groß und ungewöhnlich stark. Sie ist auch muthig, und wenn sie sich zur Wehr setzt, was oft geschieht, ist nicht mit ihr zu spaßen, denn selbst auf dem Eise ist sie nicht so ganz unbehülflich und im Wasser ist sie geradezu gefährlich. Die Eskimos, welche sie von ihren schmalen Kajaken (Fellböten) aus fangen sollen, haben deshalb nicht ohne Grund Respekt vor ihnen; haben sie doch mehr als einem Eskimo das Leben geraubt! Im Jahre 1882 wurde mein Boot von einem verwundeten Männchen angegriffen, das sich auf den Bootsrand stürzte und mit den Zähnen auf mich loshieb, statt meiner aber den Bootsrand traf, wo es tiefe Spuren hinterließ.
Klappmützenweibchen und Junge.
(Von E. Nielsen nach einer Skizze des Verfassers.)
Die Klappmütze ist ein ganz vorzüglicher Schwimmer und Taucher. Um ihre Nahrung zu holen, die hauptsächlich aus Fischen besteht, kann sie bis auf ganz erstaunliche Tiefen hinabtauchen, — wie tief, läßt sich nicht genau angeben. Einen ungefähren Begriff kann man sich jedoch daraus machen, daß ich etwa in der Mitte zwischen Spitzbergen und Jan Mayen in dem Magen einer Klappmütze einen Rothfisch (Sebastes Norvegicus) gefunden habe; derselbe ist ein Tiefwasserfisch und lebt in einer Tiefe zwischen 50 und 90 Klaftern. Wenn man bedenkt, welch starker Druck — wenigstens über 4 Atmosphären — in einer solchen Tiefe ist, so kann man verstehen, daß die Burschen kaum eine schwache Brust haben können. Als Beweis von der ungeheuren Kraft der Thiere kann auch angeführt werden, daß sie im stande sind, direkt auf den Rand einer Eisscholle hinaufzuspringen, die 6-8 Fuß über dem Wasser liegt.
Die Klappmütze ist eine fast vollständig pelagische Seehundsart, d. h. sie hält sich nicht zu den Küsten, sondern folgt im wesentlichen dem Treibeis auf ihren Wanderungen, und erscheint in dessen Gefolge überall im Eismeer und dem nördlichen Theil des atlantischen Ozeans zwischen Spitzbergen und Labrador und der Baffinsbucht. Ihre östliche Grenze scheint ungefähr bei Spitzbergen zu sein, denn bei Novaja-Semlja kommt sie nicht mehr vor.
Die Klappmütze ist sehr gesellig und unternimmt in größeren oder kleineren Scharen mehrmals im Jahr bestimmte Wanderungen, die jedoch nur noch wenig bekannt sind. An der Westküste von Grönland, wo die Eskimos den Fang betreiben, sieht man freilich, daß sie zu bestimmten Zeiten verschwinden; Niemand aber weiß mit Bestimmtheit zu sagen, wo sie in der Zwischenzeit gewesen sind. Ich halte es für wahrscheinlich, daß sie, wenn sie zum erstenmal im Winter oder im Frühling ganz verschwinden, fern von der Küste liegendes Treibeis aufsuchen,[31] um dort in Ruhe und Frieden ihre Jungen füttern zu können, die ungefähr Ende März geboren werden. Ende April oder Anfang Mai zeigen sie sich dann wieder an der Küste von Grönland. Wenn sie im Juni oder Anfang Juli abermals verschwinden, so geschieht dies ebenfalls, um das Treibeis aufzusuchen. Dann kommt nämlich die Zeit, wo sie ihr Haar wechseln, und während dieses Prozesses gehen sie ungern ins Wasser. Am liebsten liegen sie auf den Eisschollen und sonnen und wälzen sich. Man kann auf solchen Eisschollen oft ganze Haufen von Haar finden. In dieser Zeit fressen sie wenig und im Juli werden sie sehr mager.
Die Jagd pflegt im Juni zu beginnen, wenn die Fangschiffe nach der Dänemarksstraße kommen, nachdem sie in der Gegend von Jan Mayen Jagd auf eine andere Seehundsart, den sogenannten grönländischen Seehund (Phoca grönlandica O. F. M.) gemacht haben. Einige von ihnen sind auch vorher auf den Fang von Entenwalen, Bottlenose (Hyperoodon diodon) nordöstlich von Island gegangen.