Ein geübter Mann kann einem Seehund in ganz unglaublich kurzer Zeit das Fell abziehen. Ich sah es oft in zwei Minuten ausführen. Erst wird ein langer Schnitt vom Kopf bis zum Schwanz am Bauch entlang gemacht, dann einige Schnitte an jeder Seite zwischen der Speckschicht und dem Fleisch, dann einige Schnitte oben vom Kopf herunter und einige unten beim Schwanz und den Hinterbeinen, und das Fell ist herunter! Darauf zieht man die Vorderbeine, die noch festsitzen, heraus und befreit sie mit ein paar Schnitten von der Haut, die jetzt ins Boot gebracht werden kann. Man verwendet nur das Fell und die unter demselben liegende dichte Speckschicht, die daran festhängt. Das Uebrige läßt man auf dem Eise liegen als Speise für die Möven.

Das Häuten junger Klappmützen auf einer Eisscholle.
(Zeichnung von E. Werenskjold nach einer Photographie.)


GRÖSSERES BILD

Der Klappmützenfang ist noch nicht so sehr lange in der Dänemarksstraße betrieben worden. Man begann zuerst im Jahre 1876 damit, und während der ersten acht Jahre wurde er mit kolossalem Erfolg von vielen norwegischen[32] Fahrzeugen betrieben. Man fand überall Seehunde und schoß sie zu Tausenden nieder. In jenem Zeitraum wurden ungefähr 500000 Stück geschossen und wenigstens ebenso viele sind durch Kugeln getödtet, ohne daß man ihrer hat habhaft werden können. Dann trat jedoch ein Umschlag ein; in den nun folgenden Jahren wurden fast gar keine Klappmützen gefangen, beinahe alle Fahrzeuge sind Jahr für Jahr erfolglos gewesen. Was kann der Grund dazu sein? Seehundsfänger haben es auf den Wind, auf den Seegang, die ungünstigen Eisverhältnisse geschoben, aber in dem allen liegt doch keine beruhigende Erklärung, so daß man die Hoffnung auf bessere Fangjahre aufrecht erhalten könnte; die Verhältnisse können wohl ein, immerhin zwei Jahre ungünstig sein, tritt aber in einem Zeitraum von vier oder fünf Jahren keine Aenderung ein, da kann man die Eisverhältnisse nicht mehr als stichhaltigen Grund ansehen. In dem Maße können sich die Verhältnisse auf dem Eismeer nicht verändert haben.

Außerdem waren wir mit dem „Jason“ zweifelsohne mehrmals in ebensolches Eis hineingekommen, wie das, was wir in früheren Jahren als gutes Eis betrachteten, ohne daß wir jetzt auch nur einen einzigen Seehund erblickt hätten. Wenn wir Seehunde fanden, so lagen sie immer weiter hinein auf dem dicken Eis, wurde das Eis morsch, so zogen sie sich weiter zurück, dorthin, wo das Eis fest war.

Der Unparteiische kann nicht darüber in Zweifel sein, daß die Zahl der Klappmützen ganz bedeutend abgenommen hat und zwar infolge der hartnäckigen Verfolgung, deren Gegenstand sie gewesen sind. Für mich, der ich zu zwei verschiedenen Zeitpunkten Gelegenheit gehabt hatte, das Fangterrain hier oben zu besuchen, war der Unterschied zwischen früher und jetzt sehr auffallend. Hier oben, wo ich im Jahre 1882 überall Seehunde sah, sobald wir nur ein Stück ins Eis hineinkamen, — hier war im Jahre 1888 fast keine lebende Seele mehr zu erblicken. Anfangs hielt ich diese Verringerung der Seehunde jedoch noch für bedeutend größer, als sie in Wirklichkeit war.

Am 3. Juli sollte ich jedoch anderer Ansicht werden, denn — wie später ausführlicher erzählt werden wird, — erblickte ich an dem Tage tiefer ins Eis hinein so viele Klappmützen, wie ich mich kaum entsinne jemals gesehen zu haben. Sie lagen aber auf so dicht zusammengestautem Eis, wo man früher nicht nach ihnen gesucht hatte.

Was aber ist denn der Grund, daß der Klappmützenfang jahraus, jahrein so schlecht ist? Das ist ein Räthsel, über das man wieder und wieder grübeln kann, ohne doch zu einem sicheren Resultat zu kommen. Die Auffassung, zu der ich allmählich gelangt bin, geht dahin, daß einerseits der allzu starke Fang keine unwesentliche Rolle spielt, daß es aber noch einen anderen Grund von vielleicht ebenso großer Bedeutung giebt.

Dieser Grund kann doppelter Art sein. Er kann in einer Veränderung der Natur und der Gewohnheiten zu suchen sein, die entweder auf Erziehung oder auch auf direkte, natürliche Wahl im Kampf ums Dasein zurückzuführen ist.