„In tiefem Schweigen nehmen die Lappen das Mittagsessen ein, die anderen schwatzen und scherzen wie gewöhnlich und die heftigen Stöße der Wellen geben Veranlassung zu Witzen, die bei den Lappen freilich nicht auf dankbaren Boden fallen, sie sind scheinbar der Ansicht, daß Zeit und Ort nicht recht passend zum Scherzen seien.

„Von der höchsten Spitze unserer Eisscholle kann man ganz deutlich sehen, wie das Meer über die anderen Eisschollen dort draußen hinspült, während der aufspritzende Schaum gleich weißen Wolken hoch in die blaue Luft geschleudert wird, — dort kann sich wohl schwerlich ein lebendes Wesen auf dem Eise halten. Und es scheint unvermeidlich, daß auch wir da hinausgetrieben werden! Aber unsere Scholle ist dick, wir hoffen, daß sie eine Weile aushalten wird, und wir beabsichtigen nicht, sie zu verlassen, ehe wir dazu gezwungen sind; tritt aber der Fall ein, daß wir uns nicht mehr halten können, so müssen wir als letzten Ausweg versuchen, unsere Böte durch die Brandung zu bringen. Das wird ein feuchtes Vergnügen, aber unser Entschluß, den Kampf auf Tod und Leben zu kämpfen, steht unerschütterlich fest.

„Eins der beiden belasteten Böte bei der heftigen Sturzsee und den rollenden Eisschollen ins Wasser zu setzen, ohne daß es ganz gefüllt oder ganz zerschmettert wird, das ließe sich allenfalls bewerkstelligen, da wir ja die Besatzung der beiden Böte (alle 6 Mann) dazu verwenden können, — schwieriger dagegen wird es für die zurückbleibende Besatzung, das zweite Boot ins Wasser zu setzen. Wir überlegen, wie sich das am besten einrichten läßt, kommen aber zu dem Resultat, daß wir das Allernothwendigste in das eine Boot nehmen müssen, damit dies so leicht wie möglich wird, und daß wir dann im Nothfall nur an dies denken wollen, — im übrigen können wir nichts thun, als abwarten, wie sich die Verhältnisse gestalten, wenn wir in die Brandung hineingerathen.

„Wir haben jetzt kaum mehr als 300 m vor uns. Niemand von uns zweifelt daran, daß wir uns vor Ablauf von wenigen Stunden entweder in südlicher Richtung an dem Eise entlang auf dem Meere schaukeln oder im Begriff sind auf den Grund des Meeres zu versinken.

„Der arme Ravna verdient jedenfalls das größte Mitleid — er ist noch nicht an das Meer und an dessen Launen gewöhnt. Er geht schweigend umher, steht von Zeit zu Zeit oben auf den höchsten Spitzen der Eisscholle, starrt bekümmert in die Brandung hinaus, während die Gedanken sicher hinüberschweifen zu der Rennthierheerde und zu dem Zelt mit Frau und Kindern auf der finnmarkischen Hochebene, wo jetzt alles Sonne und Sommer ist.

Ach ja, Ravna, —

„Leb’ wohl ist stets ein bitt’res Wort, —

Die Heimath ist der schönste Ort.“

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Es ist menschlich, in solchen Stunden die Erinnerung zu dem zurückschweifen zu lassen, was uns als das Schönste im Leben erschienen ist, und auf schönere Erinnerungen als auf die sonnigen Tage oben auf den Bergen kann wohl kaum Jemand zurückblicken.