„Die Nächte fangen an, kalt zu werden, — deshalb legen wir so viel wie möglich von den Persenningen, Regenkleidern etc. unter die Schlafsäcke. Man muß sich eben das Leben so angenehm wie möglich machen.
„Als die Anderen sich schlafen legen, übernehme ich die erste Nachtwache, um meine Skizzen vom Lande zu vollenden, was mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist, da die Nächte hier weiter nach Süden zu schon anfangen, dunkel zu werden.
Eine Mondscheinnacht im Treibeise.
(Von E. Nielsen nach einer Skizze des Verfassers.)
„Ringsumher herrscht tiefe Stille, kein Windhauch rührt sich, selbst die wachsende Bewegung vermag den tiefen Frieden nicht zu brechen. Groß und rund mit eigenartig röthlichem Glanz ist der Mond über die Eisfläche im Osten aufgegangen, am nördlichen Horizont ist noch ein schmaler, goldigglühender Abendstreifen sichtbar. Unter dem Mond am äußersten Rande des Eises schimmert wie ein glänzendes Band das rollende Meer, sonst erblickt man ringsumher, wohin das Auge reicht, nichts als Eis und Schnee, und im Hintergrunde hebt sich die grönländische Alpenlandschaft mit ihren feenhaft schönen Berggipfeln von dem halbdunklen, träumerischen Himmel ab. Welch wunderbare Sommernacht, wie weit entfernt aber von allem, was man mit Mondschein und Sommerträumen zu verbinden pflegt.
„Dort vor mir auf dem Eise stehen die Böte, die Schlitten und das Zelt, in dem jetzt die müden Gefährten in tiefem Schlummer liegen. Dort in der Süßwasserlache neben mir spiegelt sich der Mond still und friedlich. Die Gegenwart und alles, was uns umgiebt, schwindet, das ganze Leben liegt gleichsam aus einer Perspektive gesehen vor uns, die Größe der Natur läßt es so klein erscheinen. Und was für ein Unglück ist denn geschehen, wenn man alles recht bedenkt? Sechs Menschen treiben in südlicher Richtung auf einer Eisscholle. — —
„Den 26. Juli. Keine Veränderung, außer daß wir dem Rande des Eises und dem offenen Meer näher gekommen sind. Die Bewegung scheint merklich abgenommen zu haben, trotz der Nähe des Meeres macht sie sich weniger bemerkbar als gestern.
„Wir treiben südwärts an der Küste entlang, scheinbar mit großer Schnelligkeit.
„Es ist vorläufig nichts zu machen, das Eis ist nicht fest genug, um die Böte und Schlitten darüber hinzuziehen, liegt aber zu dicht, als daß wir uns hindurch rudern oder stängeln können.
„Regenwetter hält uns im Zelt zurück.