Wir sehen, daß er sich von Island aus „nordwärts und dann gen West“ begeben hat, daß er den „Hvidsärk“ erblickte, aber erst später bekam er „allmählich das Land in Sicht“. Inwieweit dies dem Verfasser zur Last gelegt werden muß, und ob er dies hinzugedichtet hat, nach der damals allgemein herrschenden Ansicht, daß Hvidsärk in der Mitte zwischen Grönland und Island liegen sollte, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen, scheint aber sehr wahrscheinlich. Weniger annehmbar scheint mir die Auslegung, daß Mogens Heinessön einen großen Eisberg getroffen haben soll, was in diesem Fahrwasser freilich vorkommen kann; er hätte seinen Irrthum bald einsehen müssen, da ein solcher Eisberg ja ganz isolirt im Meere liegt.
Wenn es heißt, daß das Schiff durch einen in der Tiefe liegenden Magnet in seiner Fahrt gehemmt würde, so scheint mir die natürlichste Erklärung hierfür, daß dies entweder ein gänzlich aus der Luft gegriffener dichterischer Zusatz des Verfassers ist, der in Zusammenhang steht mit dem damals herrschenden Aberglauben an das magnetische Eismeer, und dies scheint mir das Natürlichste, — oder auch es ist hierunter die in südwestlicher Richtung gehende Meeresströmung zu verstehen, welche die in nordöstlicher Richtung segelnden Schiffe am Weiterkommen hindert. Kurz vor dieser Stelle steht, daß sie diesen Weg zogen.
„Je länger man aber gen Osten kam,[48]
Um so stärk’re Gewalt die Strömung annahm.“
Jeder, der es versucht hat, gegen diese Strömung anzukreuzen, weiß, was das sagen will, und daß man bei etwas Aberglauben gar leicht in Versuchung gerathen kann an „Magnete in der Tiefe“ zu glauben.
Die Expeditionen, welche von Dänemark im Jahre 1605[49] unter Leitung des Schotten John Cunningham (als Chef der Expedition), des Engländers James Hall (als Prinzipal-Pilot), des Dänen Godske Lindenow und des Engländers John Knight, sowie 1606 mit Godske Lindenow als Höchstkommandirendem unternommen wurden, machten, soweit man nach den spärlichen Berichten, die wir darüber haben, urtheilen kann, keinen Versuch an der Ostküste Grönlands zu landen. Die Behauptung, daß Godske Lindenow während der ersten Reise am südlichen Theil der Ostküste gelandet sein soll, scheint mir auf keiner haltbaren Basis zu beruhen.
Diese Expeditionen landeten an der Westküste von Grönland, da sie aber von dort keine Ausbeute heimbrachten, die nur einigermaßen mit den Erwartungen im Einklang stand, so glaubte man, daß dies die Folge davon sei, daß man das vermeintliche früher so reiche „Österbygd“ noch nicht gefunden habe.
Bereits im Jahre 1607 wurde eine neue Expedition unter Leitung des Holsteiners Karsten Richardsen mit dem Engländer James Hall als „Pilot“ von Christian IV. ausgesandt, um „Österbygden“ zu suchen. Man war des Erfolges so sicher, daß man Norweger und Isländer mitsandte, die als Dolmetscher dienen sollten, falls man Nachkommen der alten grönländischen Norweger treffen würde.
„Sie sollen,“ so heißt es in der Instruktion des Königs[50] an die Expedition, „mit Fleiß erforschen, ob sich die früher erwähnten Kirchen, Klöster, Felsen, Landzungen, Fjorde, Höfe u. a. noch dort befinden. Item ob dort ein Bischof, Pfarrer, Voigt ist, an den sie Abgaben entrichten, und dem sie Gehorsam beweisen.“
Daß man damals keine ganz verkehrte Vorstellung von der Lage von „Österbygden“ hatte, geht ganz deutlich aus derselben Instruktion hervor, indem Christian IV. darin sagt, daß der Eriksfjord — „der vornehmste Fjord in Österbygden — südwestlich auf dem Lande zwischen dem 60. und 61. Grade ungefährlich liegt, jedoch gegen die Ostseite des Landes.“