Danell hatte ohne jeglichen Grund das „Herjolfsnäs“ der Alten — das in der Nähe von Österbygden liegen sollte — an die Ostküste verlegt (siehe [oben]). Dies hat, verbunden mit dem Umstande, daß man die Nachkommen der alten Norweger an der Westküste noch nicht gefunden hatte, Theodor Thorlacius dazu verleitet, auf seiner Karte über Grönland (aus d. J. 1668 oder 1669) Österbygden an die Ostküste von Grönland zu verlegen, und dadurch war man für lange Zeiten in Bezug auf die Lage irregeführt worden. Es handelte sich daher für die Expeditionen, die an der Ostküste zu landen versuchten, nicht allein darum, Grönland zu erreichen, sondern auch Österbygden zu finden.

Im Anfang des 18. Jahrhunderts (1721) kam bekanntlich der Norweger Hans Egede nach Grönland; er gründete dort eine Kolonie, und später wurden dort mehrere gegründet. Egedes Hauptzweck war es gewesen, den Nachkommen der alten Norweger das Licht des Christenthums zu bringen, aber auch er konnte keine solchen finden. Er war indessen fest davon überzeugt, daß es deren an der Ostküste geben müsse.

Aus einem vom 29. August 1724[54] datirten Bericht ersieht man, daß die Compagnie in Bergen, die Egede aussandte, einem seiner Schiffe (dem Hucker „Egte Sophia,“ Kap. Hans Faester) den Befehl gegeben hatte, „die östliche Seite des Landes Grönland aufzusuchen und zu rekognosciren, da es aber überall vom 66½° bis zum 60° mit Eis bedeckt gewesen ist, so ist auch dieser Plan nicht so glücklich ausgefallen, wie man es gerne gesehen und gewünscht hätte“. Am 12. Mai erreichte das Schiff die Küste Grönlands und scheint drei Monate lang dem Eise entlang zwischen dem 66° 30′ N. Br. und dem 60° 28′ N. Br. gekreuzt zu haben in einer Entfernung von der Küste, welche „bisweilen 5, 10, 15, 20 und 25 Meilen betrug“ und „ohne einen Annäherungspunkt oder einen Zugang gefunden zu haben“.

Es scheint, als habe man nun für längere Zeit den Muth verloren, ein Landen an der Ostküste von der Seeseite aus zu versuchen. Erst im Jahre 1786 wurde auf Veranlassung des Bischofs Paul Egede, Hans Egedes Sohn, eine neue Expedition von zwei Schiffen ausgesandt, um Österbygden wiederzufinden. Die Expedition wurde unter die Leitung des Kapitänlieutenants Paul de Löwenörn gestellt.

Am 3. Juli bekamen sie zwischen dem 65° und dem 66° N. Br. ein hohes, bergiges Land in Sicht (nördlich von Kap Dan), das sie den ganzen Tag und den folgenden Morgen sahen; da scheint Löwenörn indessen durch das Treibeis abgeschreckt zu sein, wenigstens entfernte er sich wieder von „Grönlands eisumgürteter Ostküste“, um einige Tage später nach Island zurückzukehren, wo er längere Zeit im Dyrafjord vor Anker lag. Dies war das einzige Mal, daß er das Land in Sicht bekam. Am 23. Juli ging er freilich abermals aus, um einen Versuch zu machen; da er aber schon am folgenden Tage auf Treibeis stieß, scheint er die Hoffnung sehr schnell aufgegeben zu haben; kurz darauf kehrte er mit seinem größten Schiff nach Dänemark zurück. Obwohl dies ein früherer Walfischfänger war, und also ausschließlich für die Fahrt im Eismeere erbaut, sah er weniger von der Ostküste als die meisten seiner Vorgänger. Eine besondere Vorliebe für das Treibeis scheint er hiernach nicht gehabt zu haben. Es mag zu seiner Entschuldigung dienen, daß er als Marineoffizier keine Erfahrung in der Eismeerschiffahrt hatte.

Als er nach Hause reiste, hinterließ er sein kleineres Fahrzeug, die Yacht „Den nye Pröve“ unter dem Kommando von Sekondelieutenant Christian Thestrup Egede (einem Sohn des Bischof Paul Egede), damit dieser weitere Versuche zur Auffindung von „Österbygden“ machen könne. Als Nächstkommandirender wurde auf seinen speciellen Wunsch der Sekondelieutenant C. A. Rothe angestellt.

Was Löwenörn an Muth und Unternehmungsgeist fehlte, scheint Egede in um so höherem Maße besessen zu haben, und mit der ganzen Begeisterung seiner Jugend setzte er alles daran, um den Traum seines Vaters: die Wiederentdeckung von Österbygden, zu verwirklichen. Schon am 8. August — am selben Tage, an dem Löwenörn heimsegelte — stach er mit seiner kleinen Yacht in See, um noch in diesem Jahr einen ernsten Versuch zur Erreichung der Küste zu machen.

Am 16. August bekamen sie das Land (wahrscheinlich nördlich von Kap Dan) in Sicht, konnten aber infolge des Eises, das sich 7 Meilen von der Küste erstreckte, nicht landen.

Am 20. August kamen sie weiter südlich vor der Mündung eines 1 Meile breiten Fjordes — zweifelsohne des Sermilik-Fjordes — dem Lande bis auf 2½ Meilen nahe; aber auch hier hemmte das Eis ihr Vordringen.

Eine Reihe von Stürmen, die sie schließlich zwangen, sich nach Island zurückzuziehen, verhinderte sie späterhin, in diesem Jahr dem Lande näher zu kommen.