Im Jahre 1787 machten Egede und Rothe nicht weniger als sechs Versuche[55], von Island aus die Ostküste Grönlands zu erreichen, aber obwohl ihnen in diesem Jahr noch ein Fahrzeug — ein zweiter „Hucker“ — von Kopenhagen nachgesandt wurde, gelang es ihnen nur einmal, Land in Sicht zu bekommen. Dies geschah am 17. und 18. Mai, als sie in einer tiefen Bucht im Eise nördlich von Kap Dan dem Lande bis auf 6 oder 7 Meilen nahe kamen.
Der letzte Versuch wurde vom 11. bis zum 29. September gemacht. Bei der Kenntniß, die wir jetzt von den Eisverhältnissen an der Küste südlich von Kap Dan haben, muß es merkwürdig erscheinen, daß sie zu einer so späten Jahreszeit nicht landen konnten; der Grund hiervon war aber, daß sie sich zu weit nach Osten und Norden hin befanden und außerdem mit Stürmen und schlechtem Wetter zu kämpfen hatten.
Im Jahre 1833[56] (am 28. und 29. Juli) erblickte der französische Marineoffizier, Lieutenant de Blosseville, einen Theil der Ostküste zwischen dem 68° und 69° N. Br., konnte aber des Eises wegen nicht landen. Infolge von Havarie sah er sich bald nachher gezwungen, nach Island zurückzukehren. Am 5. August zog er abermals aus, seither hat man aber nie wieder von ihm gehört.
Im Jahre 1859 kam der amerikanische Oberst Schaffner in dem Barkschiff „Wyman“ nach Grönland, um zu untersuchen, ob nicht ein Telegraphenkabel von Europa nach Amerika über Grönland gelegt werden könne. Am 10. Oktober ging er von Julianehaab südwärts an Kap Farvel vorüber und an der Ostküste entlang, ungefähr bis zu der Höhe des Lindenow-Fjords (auf dem 60° 25′ N. Br.). Er entdeckte „auch nicht eine Handbreit Treibeis“ an der Küste, was sehr wahrscheinlich ist, da sie zu einer so späten Jahreszeit eisfrei zu sein pflegt. Ein Nordsturm, der das Schiff seewärts trieb, hinderte ihn jedoch, an der Küste zu landen.
Am 18. Juli 1860 kam Mc. Clintock an Bord des „Bulldog“ bei Kap Wallö (60° 34′ N. Br.) unter die Küste, wurde aber durch Eis am Landen verhindert.
Darauf ging er nach der Westküste und später nach Amerika. Auf der Heimreise, nachdem er Julianehaab besucht hatte, näherte er sich der Ostküste Grönlands abermals und kam am 8. Oktober bei Prinz Christians-Sund (60° 2′ N. Br.) dem Lande bis auf eine geographische Meile nahe. Er stieß hier auf sehr wenig Treibeis, in der Nacht aber erhob sich ein heftiger Sturm, der drei Tage anhielt und den „Bulldog“ in die See zurücktrieb.
Im selben Jahr (1860) am 11. September kam abermals der Oberst Schaffner, diesmal an Bord des hölzernen Dampfers „Fox“, unter Leitung des englischen Polarfahrers Kapitän Allen Young bei Kap Bille der Ostküste Grönlands nahe (ungefähr auf dem 62° N. Br.). Der Zweck dieser Expedition wie derjenige der eben erwähnten „Bulldog“-Expedition war die Anstellung von Untersuchungen in Veranlassung der von Oberst Schaffner projektirten Telegraphenkabellegung über Grönland.
Bei Kap Bille fanden sie, wie mir Allen Young mitgetheilt hat, so wenig Eis, daß man mit Leichtigkeit hätte landen können. Man war freilich — wie es scheint — noch zwei Meilen vom Lande entfernt.
Am 12. September fanden sie auf dem 61° 54′ N. Br. das Eis bis an das Ufer dicht zusammengestaut.
Am 13. September dampften sie „gemächlich der Küste zu, bis ¾ Meilen vom Lande entfernt“, in der Gegend von Omenarsuk; das Eis lag hier aber zu dicht, als daß sie hätten landen können. Ein dunkler Wasserhimmel in der Nähe von Lindenows-Fjord ließ indessen Kapitän Young vermuthen, daß er möglicherweise einen Ankerplatz unterhalb der Küste finden könne. Als sich gegen Abend ein Sturm erhob, richtete er indessen seinen Kurs seewärts, um sich später der Ostküste Grönlands nicht wieder zu nähern.