Im Jahre 1863 wurde mit zwei eisernen Dampfschiffen „Baron Hambro“ und „Karoline“ der Versuch gemacht, für ein englisches Handelshaus, das von der dänischen Regierung die Erlaubniß dazu erhalten hatte, eine Handelskolonie an der Ostküste von Grönland zu gründen. Der Engländer Taylor war der Führer der Expedition. Man verließ Hamburg am 21. August, in der Hoffnung, die Küste zu so später Jahreszeit eisfrei zu finden, aber man hatte sich verrechnet! Sie war vollständig von Eis gesperrt, in das man sich mit diesen eisernen Schiffen nicht hinauswagte.

Im Jahre 1865 kehrte Taylor abermals zurück, diesmal mit dem starken, hölzernen Dampfer „Erik“, der eigens für die Eismeerfahrt gebaut war. Er fand abermals die Küste (ungefähr auf dem 63° N. Br.) mit Eis versperrt, das sich trotz zweier kräftiger Versuche nicht durchbrechen ließ.

Im Jahre 1879 fuhr der dänische Marineschoner „Ingolf“[57] unter dem Kommando von Kapitän A. Mourier mit Lieutenant Wandel als Nächstkommandirendem vom 6. bis zum 10. Juli an der Ostküste von Grönland entlang, vom 69° N. Br. nach Süden zu bis in die Nähe von Kap Dan. Man kam in eine tiefe Eisbucht hinein und kam dem Lande beim Ingolfs-Berge bis auf 4-5 Meilen nahe, konnte aber des Eises wegen nirgends landen.

Kapitän Mourier hielt es nach dieser Expedition für ganz unmöglich, die Ostküste Grönlands von der Seeseite aus zu erreichen. Bereits vier Jahre später sollte die Unhaltbarkeit dieser Behauptung bewiesen werden.

Im Jahre 1882 war, wie bereits früher erwähnt, der Verfasser mit dem Seehundsfänger „Viking“ auf Fang an der Ostküste von Grönland aus. Wir blieben am 25. Juli zwischen dem 66° und 67° N. Br. im Eise stecken und trieben mehrere Tage gerade auf die Küste zu, bis wir uns am 7. Juli auf dem 66° 50′ N. Br. und dem 32° 35′ W. L. in einer Entfernung von etwa sechs Meilen vom Lande zu befinden glaubten. Später trieben wir langsam in südwestlicher Richtung weiter, bis wir endlich am 17. Juli wieder frei kamen.[58]

Im Jahre 1883 machte Nordenskjöld mit dem eisernen Dampfer „Sophia“ zwei Versuche, die Ostküste Grönlands zu erreichen. Am 12. Juni erblickte man zum erstenmal Land bei Kap Dan, konnte aber des Eises wegen nicht landen, weshalb man abermals einen südlichen Kurs an der Küste entlang nahm. Dieses war indessen bis zum Kap Farvel, das man am 15. Juni passirte, versperrt. Dann besuchte Nordenskjöld die Westküste Grönlands, wo er seine Eiswanderung antrat, von der späterhin in diesem Buche die Rede sein wird.

Am 30. August kam er abermals auf der Rückreise am Kap Farvel vorüber. Am 1. September stieß er südlich vom 62° N. Br. auf ein dichtes Treibeisfeld, das sich weit ins Meer hinaus (25-30 Minuten) „vom Eisgletscher bei Puisortok erstreckte. Aber südlich von dieser Eiszunge schien das Meer nach dem Lande zu ganz eisfrei zu sein“. Als man unter Land kam, stieß man dennoch auf einen Eisgürtel, „dessen Breite nicht mehr als sechs Minuten betrug“. Nordenskjöld meinte freilich, daß er sich ohne allzu große Schwierigkeiten hätte durchbrechen lassen, aber er versuchte es nicht, da die Küste dort unbewohnt sein sollte.

Es scheint, als ob die Eisverhältnisse, die Nordenskjöld hier antraf — die Eiszunge, die sich ins Meer hinaus erstreckte und der schmale Eisgürtel nach Süden zu an der Küste — auffallend viel Aehnlichkeit mit denjenigen hatten, die wir auf derselben Höhe oder vielmehr ein wenig tiefer zu überwinden hatten. Es scheint, als wenn hier an dieser Stelle, jedenfalls zeitweise, merkwürdige Unregelmäßigkeiten in den Stromverhältnissen herrschen müssen; doch hiervon später mehr.

Ein Stück nördlich vom 62. Breitengrad schnitt eine tiefe Bucht nach dem Lande zu in das Eis ein, am Ende derselben hemmte jedoch abermals ein schmaler Eisgürtel ihr Vordringen.

Da Nordenskjöld das Land ein wenig nördlicher zu erreichen wünschte, versuchte er nicht weiter, hier durch das Eis zu dringen, „was wohl kaum mit großen Schwierigkeiten verknüpft gewesen wäre“.