Ganz ohne Bedeutung ist diese erste Expedition aber doch nicht gewesen, denn wenn sie auch nicht in irgend welchem erheblichen Maße die Anschauungen über das Innere des Landes in der Nähe der Kolonie hat verändern können, da man dort schon vorher durch die Grönländer ganz gute Berichte darüber erhalten hat, — so ist dies im Heimathslande doch sicher der Fall gewesen. Es währte bis zum Jahre 1878, ehe der dänische Staat abermals eine Expedition nach dem grönländischen Inlandseis entsandte.

Im 3. Kapitel (Seite 128) ist bereits erwähnt worden, was in dem 1746 erschienenen Buch „Nachrichten von Island, Grönland und der Straße Davis“[9] von einem Versuch erzählt wird, der darauf hinausging, in das Innere des Landes einzudringen, „und zwar vermittelst der langen Fußbretter, deren sich die Lappen und Andere auf ihren Winterzügen bedienen“. Dieser Bericht ist nicht allein wegen der Erwähnung der Schneeschuhe von Interesse, sondern auch deswegen, daß es das einzige Mal ist, daß des Verlustes von Menschenleben bei den Expeditionen auf das Inlandseis Erwähnung geschieht.

Die erste ein wenig längere Wanderung über ein Stück des Inlandseises, von der wir wissen, wurde im Jahre 1751 von dem Kaufmann Lars Dalager unternommen, der ein wenig nördlich von Frederikshaab, wo er ansässig war, zwei „Nunataks“ besuchte, die eine oder zwei Meilen vom Rande des Inlandseises auf der Südseite von Frederikshaabs Eisblink belegen waren. Diesen Ausflug hat er am Schlusse seines Buches beschrieben, dessen Titel lautet:

„Grönländische Relationen u. s. w., zusammengestellt in der Frederikshaab-Kolonie in Grönland Anno 1752.“

Ende August hatte Dalager die Reise landeinwärts südlich von Frederikshaabs Eisblink aus angetreten.

„Mein Zweck war es,“ sagt er, „mich nach Kräften zu divertiren und nebenbei ein wenig zu schießen“.

Aber er kam bald auf andere Gedanken:

„Bei dieser Gelegenheit resolvirte ich gar bald, eine Reise auch der östlichen Kolonie Oesterbygden über die Eisberge zu machen, von wegen der neuen Entdeckung, die ein Grönländer im verflossenen Juli-Monat gemacht hatte, welcher so hoch oben auf Jagd gewesen war, daß er deutlich die alten Kablunakischen[10] Berge auf der Ostseite sehen konnte.

Dies brachte mich derartig in Bewegung, daß ich wenigstens wie weiland Moses Lust hatte, das Land zu sehen. Ich nahm den vorhin erwähnten Mann, seine Tochter, sowie drei junge Grönländer mit. Wir traten dann unsere Reise an, nachdem wir vorher tief in einen Fjord am südlichen Ende des Eisgletschers hineingerathen waren.“

Dalager hat sich scheinbar wie alle seine Zeitgenossen stark für die Auffindung der alten norwegischen Kolonie „Österbygden“ interessirt, die man noch nicht gefunden zu haben glaubte, und von der man allgemein annahm, daß sie an der Ostküste Grönlands gelegen haben müsse.