Man verließ den Fjord am 2. September 1751, am 3. September erreichte man den Rand des Inlandseises, „und am 4. gegen Morgen begaben wir uns,“ schreibt Dalager, „auf das Eis, um den ersten Berggipfel zu erreichen, bis zu welchem wir ungefähr eine Meile hatten. Der Weg dorthin war gerade so schlicht und eben wie auf den Straßen in Kopenhagen, der einzige Unterschied schien mir darin zu bestehen, daß es hier etwas glatter war. Dagegen hatte man aber nicht nöthig nach den Seiten auszuweichen und im Schmutz zu waten, aus Furcht, von den Pferden und Wagen des Postmeisters übergefahren zu werden.“
Am nächsten Morgen zog man weiter nach dem obersten Berge auf dem Eisfelde, dem Omertlok, der auch ungefähr eine Meile entfernt lag, zu dem der Weg aber sehr uneben war, voller Spalten und Risse, so daß die Wanderung 7 Stunden in Anspruch nahm.[11] Von dem Gipfel dieses Berges hatte man eine weite Aussicht über das Eis, und in der Ferne über dem Eisrand im Nordosten wurden einige Berggipfel sichtbar. Diese hielt Dalager für die Berge auf der Ostküste Grönlands; wie unten näher erklärt werden wird, stellte es sich aber später heraus, daß es Nunataks waren, die nur wenige Meilen von dem westlichen Rande des Inlandseises entfernt lagen (Jensens Nunataks.)
„Als wir auf dem Gipfel des Berges angelangt waren,“ sagt er, „verfielen wir in Verwunderung über den großartigen Prospekt nach allen Seiten hin, namentlich über das weitläufige Eisgebirge am Lande entlang und quer hinüber bis nach „Öster-Böyden“, dessen Berge ebenso wie diese mit Schnee bedeckt waren.“
Auf diesem Gipfel blieb man bis um 7 Uhr des Abends, dann schloß Dalager „mit einer Rede an die Grönländer, die von den ehemaligen Bewohnern von Öster-Böyden, von ihrem leiblichen wie geistigen Wohlergehen handelte“.
„Indessen ging die Sonne unter, weshalb wir uns eine Strecke bergab begaben und uns schlafen legten.“
Dalager wäre gern weiter landeinwärts gedrungen, sah sich aber aus mancherlei Ursachen genöthigt, auf die Heimreise bedacht zu sein; „einer der wichtigsten Gründe war, daß wir so gut wie barfuß gingen. Denn obwohl ein Jeder von uns für die Reise mit zwei Paar guten Stiefeln versehen war, so waren sie doch schon jetzt infolge der Schärfe des Eises und der Steine fast völlig verschlissen. Und da die eigens von uns mitgenommene Jungfer zum großen Unglück ihre Nähnadeln verloren hatte, konnten wir nichts flicken, weswegen wir sehr bestürzt waren, doch trösteten wir einander mit Gelächter, wenn wir die nackten Zehen aus den Stiefeln herauskriechen sahen.“
Am folgenden Tage (den 6.) traten sie deswegen den Heimweg an, und am 8. September gegen Abend erreichten sie den Zeltplatz unten am Fjord, „und — schließt Dalager — kann ich nicht unterlassen, hier zu melden, mit welch sonderlichem Appetit ich an dem Abend eine ganze Flasche portugiesischen Wein leerte, worauf ich bis um die Mittagsstunde des nächsten Tages schlief.“
Dalager giebt eine Beschreibung von dem, was er da drinnen erblickt. Hierin äußert er weit weniger Furcht, über das Inlandseis zu gehen, als viele seiner Nachfolger bis in die spätesten Zeiten davor zeigen. Er sagt u. a.:
„Um im übrigen meiner Ansicht über die große Eisfläche Ausdruck zu geben, die uns verhindert, mit Öster-Böyden in Kommunikation zu stehen, so glaube ich, daß es in Bezug auf die Wege praktikabel ist, sintemalen es mir erscheint, als seien die Eisberge lange nicht so gefährlich wie man sie verschrieen hat, und auch die Spalten nicht so tief, wie man behauptet“ u. s. w. Aus anderen Gründen hält er es indessen für eine Unmöglichkeit; so sagt er weiterhin: „Aber trotzdem bleibt es doch impraktikabel, auf einer solchen Reise zu reüssiren, aus den Gründen nämlich, daß man nicht so viel Mundportion mit sich schleppen kann, als wie man zu einer solchen Reise billig bedarf, demnächst die unerträgliche, harte Kälte; ich halte es für fast ganz unmöglich, daß irgend eine lebende Kreatur respiriren kann, wenn sie gezwungen ist, viele Nächte auf dem Eisfelde zu kampiren“ u. s. w.
Hier folgt eine ganz merkwürdige Beschreibung der Kälte, die so groß war, daß, obwohl sie alle gut gekleidet waren, und keiner von ihnen gerade ein Weichling war, „trotzdem die Glieder sich gleichsam zusammenzogen“, sobald sie sich eine Stunde auf dem Berge niederließen oder niederlegten. „Ich für mein Theil hatte als Unterbekleidung zwei gute Jacken und darüber einen Rennthierpelz. Des Nachts wickelte ich mich in einen schönen, doppelt gefütterten Mantel und steckte die Füße in einen Sack von Bärenfell. Aber doch war dies alles nicht im stande, mich warm zu halten.