Die Musik zu den Liedern wird häufig von dem Dichter selber komponirt, und da die Grönländer auffallend musikalisch sind, so kann diese Musik trotz ihrer Einförmigkeit oft einen ganz eigenthümlichen Charakter haben. Als Probe ihrer Lieder und ihrer Musik mag der untenstehende neue Gesang von Grönlands Ostküste mitgetheilt sein, der mir freundlichst von Frau Signe Rink überlassen wurde.[90] Dieselbe Dame hat verschiedene werthvolle Liederproben gegeben; leider gestattet mein Raum es nicht, sie hier aufzunehmen. Die Melodie ist von Frau Ganglen in Julianehaab aufgezeichnet worden.

Klagelied des Eskimos.

Eine Eskimogruppe, im Treibeise festgehalten, ist von Hungersnoth bedroht.

Langsam und durch die Nase.


GRÖSSERES BILD
[[audio/mpeg]]

Bei der Einführung des Christenthums und der Civilisation wurde, wie wir gesehen haben, der Trommeltanz abgeschafft, und damit trat auch ein Verfall oder eine theilweise Veränderung der Verskunst ein. Noch immer aber ist das Dichten bei den Grönländern ganz allgemein.

Der Inhalt der Lieder kann zum Theil scherzhafter Art sein, indem sie auf mehr oder weniger unschuldige Art die Eigenheiten ihrer Mitmenschen lächerlich zu machen suchen, — die Grönländer haben nämlich einen scharfen Blick für das Komische. Es existiren auch mehrere derartige Lieder über die Mitglieder der Expedition, doch ist es mir leider niemals gelungen, derselben habhaft zu werden. Einzelne Lieder behandeln auch allerlei Ereignisse und Begebenheiten. Sehr allgemein sind die Kinderlieder, die häufig für irgend ein bestimmtes Kind gedichtet und diesem von dem Verfasser zum Geburtstag geschenkt werden.