So ist denn dies Volk ganz sicher und unwiderruflich dem Untergang geweiht, es wird in einer näheren oder ferneren Zukunft unterliegen und zu einem Schatten von dem, was es früher gewesen, hinschwinden. Und doch ist der Grönländer zufrieden und glücklich, vielleicht glücklicher als die Meisten von uns, er haßt uns nicht, sondern ist fröhlich und freundlich, wenn wir zu ihm kommen. Die europäischen Nationen könnten viel von den Eskimos lernen!

[43] Diese Aehnlichkeit ließe sich ja übrigens auch dahin erklären, daß es eine sehr alte Rasse ist, bei der alles zu bestimmten Formen erstarrt ist, und die sich jetzt allmählich verändern; hierauf scheint ja auch ihre nach jeder Richtung hin abgesonderte Stellung wie ihre vollkommenen Geräthschaften zu deuten. Andere Verhältnisse scheinen jedoch theilweise gegen eine solche Annahme zu sprechen.

[44] Diesen Grund giebt Dr. Rink in seiner Abhandlung: „The Eskimo Tribes“ an. Mittheilungen über Grönland, Bd. XI., Kopenhagen 1887, S. 32.

[45] Dr. Rink „Eskimoische Märchen und Sagen“, Supplement, Kopenhagen 1871, S. 217.

[46] Die Inlandseskimos in Alaska betreiben noch heutzutage Fischfang auf den Flüssen in Kanoes aus Birkenrinde.

[47] Das Beziehen der Böte mit Fellen scheint an mehreren Stellen der Erde, ganz unabhängig voneinander, erfunden zu sein. Coracle oder Korbböte (aus Korbgeflecht angefertigt und mit Fellen bezogen) wurden von den alten Briten und Gelen benutzt, um über große Ströme und Buchten zu setzen. Aehnliche Böte sollen noch jetzt bei der ländlichen Bevölkerung Großbritanniens und Irlands benutzt und mit Fellen oder mit Wachstuch überzogen werden. Jedenfalls weiß ich, daß die Fischer an der Westküste von Irland ganz allgemein Fellböte benutzen, die große Aehnlichkeit mit den grönländischen Frauenböten haben. Ferner sollen ähnliche Fellböte seit undenklichen Zeiten in Indien in Gebrauch sein. In Afrika, Amerika, Australien und Polynesien hat man sie bei halbwilden Volksstämmen gefunden unter Verhältnissen und mit Abweichungen, welche die Annahme berechtigt erscheinen lassen, daß sie an Ort und Stelle erfunden und nicht von anderen Völkern eingeführt sind. Die Ree-Indianer benutzen ebenfalls solche Böte.

[48] Die Türken haben ein Wort „Kajek“ für eine gewisse Bootsart. Dasselbe Wort kommt auch in der serbischen, der bulgarischen wie in den meisten slavischen Sprachen vor — theilweise unter der Form Kajuk — bis nach Sibirien hinein; ferner findet man es im Griechischen, Rumänischen, Kurdischen etc. Ich habe es indessen nicht durch Asien verfolgen können. Wahrscheinlich ist es ein türkisches Wort und stammt in diesem Falle mehr aus Osten. Die Kamtschadalen benutzen auf den Flüssen Böte, die sie Koiakh-taktim nennen. Dies ist möglicherweise dasselbe Wort, indem taktim eine auffallende Aehnlichkeit mit taktou hat, dem Namen für eine Bootsart, die auf dem Meere gebraucht wird. (Siehe Kracherinnikow, Hist. et deser. de Kamtschatka, Amsterdam 1770. Bd. I.) Der erste Theil von Koiakh erinnert stark an das Kajek der Türken und das Kajak der Eskimos, es bedarf indessen eines umfangreicheren Materials, um zu entscheiden, ob ein Zusammenhang zwischen diesen Wörtern stattfindet. Die Entfernung zwischen dem Ort, von dem die Türken gekommen sind, und der Heimath der Kamtschadalen ist jedoch möglicherweise nicht so sehr groß.

[49] Die Nordwestindianer und Tschuktschernen benutzen übrigens auch Harpunen und die große Blase zum Fang der großen Seethiere, indem sie diese Waffen von größeren offenen Kanoes oder Fellböten aus werfen. Es hat jedoch den Anschein, als wenn sie die Benutzung von den Eskimos gelernt hätten.

[50] Siehe u. A. Cook and King, „A voyage to the Pacific Ocean etc. third edition“, London 1785, vol. II., S. 513. Siehe ebenfalls spätere Schriftsteller wie Eliot u. A.

[51] Merkwürdig ist es, daß die Bewohner der Insel St. Lawrence die Kajaks gar nicht zu kennen scheinen. Sie haben nur große, offene Fellböte vom selben Bau wie die Tschuktschernen. Vergl. Nordenskjölds Vegareise um Asien und Europa (Kristiania), Zweiter Theil, Seite 249.