Die Stöße, welche eine solche Welle versetzen kann, müssen oft sehr heftig sein. Es wurde mir erzählt, daß ein Mann durch eine Welle, die mit ihrer ganzen Gewalt über ihn hereinbrach, derartig auf den Kajak gedrückt wurde, daß er eine Rückgratsverletzung davon trug, die ihn fürs Leben zum Krüppel machte. Trotzdem kenterte er aber nicht. Es ist bewunderungswerth, welche Geistesgegenwart und Herrschaft über die Kajaks diese Eskimos besitzen!

Ein Kajakmann läßt eine Sturzwelle über sich hinrollen.
(Von A. Bloch nach einer oberflächlichen Skizze.)

Anton, ein hervorragender Fänger aus Karusuk (einem tief in den Fjord hineingelegenen Wohnort), kam eines Tags auf Fang nach Kangek. Die See war sehr erregt, und, unbekannt wie er war, jagte er auf einer Welle über eine Untiefe dahin. Plötzlich saß er fest und im nächsten Augenblick stürzte sich eine neue Welle über ihn. Er glaubte, daß es mit ihm aus sei, beugte sich aber vorüber, klemmte das Ruder gegen den Kajak und verschwand unter dem schäumenden Wasser. Als die Sturzsee sich verlaufen hatte, war auch Anton wieder flott geworden und schoß in seinem Kajak dahin, genau so überlegen wie vorher.

Hauptsächlich betreibe ich hier Jagd auf Eidergänse. Man hat dazu die beste Gelegenheit hier draußen bei einigen kleinen Inseln und Werdern, die Jemerigsek genannt sind.

Simon, Katechet und Seehundsfänger von Kangek.
(Nach einer Photographie von C. Ryberg.)

Man schießt die Eidergänse hier gewöhnlich auf andere Weise als in Godthaab, indem man selber umherzurudern und die Vögel aufzusuchen pflegt. Bemerkt man Eidergänse auf dem Wasser, so hält man sich auf der Windseite und nähert sich ihnen, soweit man kann. In der Regel kommt man ihnen jedoch nicht sehr nahe, bevor sie auffliegen, da sie aber gegen den Wind auffliegen müssen, so sehen sie sich gewöhnlich gezwungen, in Schußweite an den Kajaks vorüber zu kommen. Da gilt es denn, eine solche Stellung einzunehmen, daß sie an der richtigen Seite vorüberfliegen und man zum Schuß kommen kann. Ein Mensch, der nicht links zu schießen versteht, kann nämlich nicht rechts schießen, wenn er im Kajak sitzt, sondern muß die Vögel gerade vor sich oder auf der linken Seite haben. Der Kajak gestattet keine großen Schwenkungen. Wenn die Vögel auffliegen und man sieht, welche Richtung sie einschlagen, muß man also, wenn der Kajak nicht die richtige Lage hat, ihn in aller Eile wenden, das Ruder unter den Riemen stecken, den rechten Fausthandschuh abziehen, die Büchse aus dem Sack holen und an die Wange legen — dann knallt der Schuß! Will man aber Aussicht auf Erfolg haben, so muß dies alles Sache eines Augenblicks sein, und bei hoher See muß man so verwachsen mit seinem Kajak sein, daß man die Büchse ebenso sicher hantirt als auf dem Lande, natürlich darf man, wenn der Schuß knallt, nicht kentern. Viele von den Kangeken haben diese Jagd zu einer großen Vollkommenheit gebracht. Ich habe sie bei hohem Seegang ihr Dutzend Eidergänse und mehr schießen sehen, und zwar indem sie nur auf einzelne Vögel zielten. Zuweilen ging ich mit einem Fänger Namens Pedersuak — der große Peter — weit in See hinaus. Er war ein guter Vogelschütze, und ich habe oft mit ihm um die Wette geschossen, zog aber zu seinem Entzücken gewöhnlich den Kürzeren dabei. Eines Tages, als wir zusammen auf der See lagen, kamen zwei Eidergänse in voller Geschwindigkeit mit dem Winde daher geflogen. Sie befanden sich außerhalb meiner Schußweite, flogen aber in der Richtung auf Pedersuaks Kajak zu. Ich machte ihn auf sie aufmerksam, er bemerkte sie auch, ließ sie aber ruhig an sich vorüberfliegen, ich konnte gar nicht begreifen, was er damit beabsichtigte, plötzlich aber erhob er die Büchse, es knallte und beide Vögel fielen. Er erklärte mir später, er habe nur gewartet, um sie beim Schießen auf einer Linie zu haben. Ich hielt das Ganze für einen bloßen Glückszufall, aber wir hatten gar nicht lange gerudert, als abermals zwei Eidergänse genau so wie vorhin herangeflogen kamen, diesmal aber noch in besserer Schußweite für Pedersuak. Er steckte das Ruder unter den Riemen und hielt die Büchse bereit, jedoch ohne zu schießen. Endlich als sie längst vorüber waren, knallte ein Schuß, und abermals fielen die beiden Vögel. Ich habe das später häufig erlebt, ja ich habe sogar drei Vögel, die zusammen dahergeflogen kamen, auf einen Schuß fallen sehen, indem der Schütze den Augenblick abwartete, wo sie aneinander vorbei flogen und sich alle auf einer Linie befanden. Die Eskimos schießen nur mit einer Mundladebüchse, die sie indessen gut zu laden wissen und mit der sie in einer ganz unbegreiflichen Entfernung treffen können. Oft, wenn ich mit ihnen auf Jagd gerudert war, unterließ ich es, auf die vorüberfliegenden Vögel zu schießen, weil mir der Abstand viel zu groß erschien, dann aber hat ein Eskimo neben mir sofort angelegt, gezielt und den Vogel getroffen. Es ist gar nicht leicht, diese Büchsen zu laden, wenn die See über die Kajaks hereinbricht; man legt sie mit dem Kolben vorn auf den Kajak und kehrt die Mündung dem Gesicht zu oder stützt sie auf die Schulter, während man Pulver, Zündhütchen etc., das man, nur um es trocken zu halten, in der Mütze aufbewahrt, hervorholt. Auf diese Weise kann man sich selbst bei dem stärksten Seegang so einrichten, daß kein Wasser in den Büchsenlauf kommt. Zur Aufbewahrung der Büchse, die man am liebsten immer bei der Hand hat, dient ein oben auf dem Vordertheil des Kajaks liegender Sack.

Tobias, einer der besten Seehundsfänger von Kangek.
(Nach einer Photographie von C. Ryberg.)