Gegen Kornok in der Nacht, 7. April.
(Von Th. Holmboe nach einer Skizze des Verfassers.)
Blick nach Süden zu von Kornok.
(Nach einer Photographie.)
Es war keine Nachricht in Bezug auf das Schiff von Godthaab gekommen, und am folgenden Tage reiste ich deswegen nach Umanak, um diesen Ort kennen zu lernen, an dem die Herrnhuter Mission eine Kolonie hat, und um den Missionar Herrn Heincke zu besuchen, bei dem ich vier sehr angenehme Tage verlebte.
Am 12. April war ich wieder in Kornok. Da es am folgenden Tage regnete, hatte mein Freund Aperavigssuak keine Lust, nach Godthaab zu reisen; während ich fortgewesen war, hatte er sich die Zeit damit vertrieben, in den Häusern zu Kornok und Umanak in Gesellschaften zu gehen. In Erwiderung dieser Gastfreundschaft gab ich am Tage meiner Rückkehr sämtlichen Grönländern in Kornok einen Ball. Um 4 Uhr des Nachmittags begann der Ball, die Bewirthung bestand aus Kaffee und Schiffsbrot, und wir amüsirten uns bis tief in die Nacht hinein ganz vorzüglich. Schließlich war ich so müde, daß ich meine Gäste bitten mußte, nach Hause zu gehen, damit ich Ruhe bekam.
Am folgenden Tage, den 14. April, ruderten wir bei verhältnißmäßig gutem Wetter nach Godthaab. Wie schnell man in einem Kajak vorwärts kommen kann, ist daraus zu ersehen, daß wir, obwohl wir während der ersten drei Stunden die Strömung und während der letzten Stunde eine steife Briese gegen uns hatten, die 8 Meilen doch in 8 Stunden zurücklegten, und das ist nichts im Vergleich zu der Schnelligkeit, welche ein geübter Kajakruderer erlangen kann. So erzählte mir z. B. Herr Heincke, daß, als seine Frau vor mehreren Jahren im Dezember heftig erkrankte, ein Fänger aus Umanak, Namens Ludwig, am Morgen vor Tagesgrauen nach Godthaab gerudert sei, um Rath von dem Arzt zu holen. Trotz des kurzen Wintertages wäre er aber schon bei Anbruch des Abends wieder zurückgekehrt. Die Entfernung von Umanak bis Godthaab beträgt 9 Meilen!
In der Kolonie hatte man bei unserer Ankunft noch nichts von dem Schiff gehört.
Am 15. April hatten wir heftiges Schneetreiben und waren uns infolgedessen sämtlich darüber einig, daß das Schiff auch an dem Tage nicht kommen könnte. Plötzlich, als wir nach Tisch im Hause des Koloniedirektors bei unserem Kaffee saßen und uns gemüthlich mit dem Doktor unterhielten, erschallte die ganze Kolonie von einem einzigen Geheul: „Umiarsuit! Umiarsuit!“ (Das Schiff! das Schiff!) Wir stürzten hinaus, starrten auf das Meer, konnten aber nichts sehen als Schnee. Da ward auf einmal ein dunkler Schatten hoch oben in der Luft sichtbar. Es war das Takelwerk des „Hoidbjörnen“, der sich bereits dicht vor uns in der Bucht befand. In größter Eile sprang man nun in die Böte und Kajaks, und als wir den Fuß auf Deck setzten, wurde die norwegische Flagge gehißt und den Norwegern ein donnernder Salut gegeben. Die Mitglieder der Expedition wurden auf das herzlichste empfangen und beglückwünscht von dem Führer des „Hoidbjörnen“, Lieutenant Garde, dessen Name bereits häufiger erwähnt worden ist, sowie von den übrigen Europäern, die sich an Bord befanden.
Es wurden Grüße aus Europa gebracht und Fragen ausgetauscht, die kein Ende nehmen wollten. Wir feierten sofort ein Fest an Bord des Schiffes, es herrschte Frohsinn und Freude, und erst spät am Abend kehrten wir wieder nach Godthaab zurück.
So schlug denn endlich die Abschiedsstunde! Ich hatte lange mit Wehmuth daran gedacht, jetzt ließ sich der Gedanke nicht mehr zurückdrängen, und nicht ohne Trauer schieden wir von dem Ort und dem Volk, bei dem wir uns so unsagbar wohl befunden hatten.