Meiner Ansicht nach spricht nichts dagegen, daß die Erdachse, falls sie sich überhaupt auf größere Verschiebungen eingelassen hat, genügend Zeit hatte um mehrere solche in dem Rahmen der Tertiärperiode vorzunehmen. Die Schichten auf den neusibirischen Inseln, welche tertiäre Versteinerungen enthalten, können in diesem Falle während einer Stellung der Erdachse abgelagert sein, während ähnliche Schichten in Japan und an andern Orten während anderer Achsenstellungen abgelagert wurden.
Es ist einleuchtend, daß die Flora, besonders aber die Fauna sich leicht nach anderen Orten und unter andere Himmelsstriche begeben haben kann, je nachdem der Pol seine Lage wechselte und das Klima sich veränderte; und sie würden infolgedessen den Schichten, die sich an Orten ablagerten, wohin sie jetzt gekommen waren, denselben Charakter verleihen, den sie den an andern Orten früher abgelagerten Schichten verliehen hatten.
Aber selbst wenn man die Möglichkeit einräumt, daß der Pol während der Tertiärperiode verschiedene Lagen gehabt hat, so muß er sich in einer verhältnißmäßig späten Zeit zweimal ganz nach Grönland hinüberbewegt und zweimal wieder zurückbewegt haben, um die bekannten Eisperioden erklären zu können. Das werden ziemlich weitläufige Bewegungen, und befriedigende Ursachen dazu kann man wie bereits erwähnt, nicht nachweisen.
Man hat es deswegen versucht, die Ursachen zu den klimatischen Veränderungen außerhalb der Erde zu suchen. Als das Zunächstliegende hat man an die Möglichkeit gedacht, daß die Ausstrahlung unserer Wärmequelle, der Sonne, Wechseln unterworfen ist oder mit anderen Worten, daß die Sonne ein veränderlicher Stern ist. Einige Gelehrte sind der Ansicht, daß die Wärme der Sonne durch ein ständiges Bombardement von Meteoren aufrecht erhalten wird, das durch seine Geschwindigkeit und die dadurch hervorgebrachte Reibung Wärme erzeugt. Ist dies der Fall, so könnte man wohl annehmen, daß es Zeiten mit größerem und kleinerem Bombardement gäbe, wie wir ja auch bestimmte Zeiträume mit größerem Sternenfall haben, je nachdem wir die verschiedenen Kometenbahnen passiren. Dergleichen Behauptungen sind indessen zu unbegründet, um sich darauf stützen zu können.
Infolge der Kant-Laplaceschen Theorie müssen wir annehmen, daß die Wärmeausstrahlung der Sonne in stetem Sinken begriffen ist, je nachdem sie mehr und mehr erkaltet. Dies ist indessen ebensowenig wie der eigene Wärmeverlust durch Ausstrahlung (siehe oben) geeignet, die vorliegenden Thatsachen zu erklären.
Andere sind der Ansicht, daß die kälteren und wärmeren Klimate ihren Grund darin haben, daß der Raum oder das Universum, durch das unser ganzes Sonnensystem sich bewegt, einen kälteren oder wärmeren Strich hat. Hierauf können wir nur antworten, daß wir, wenn dies auch sehr unwahrscheinlich ist, doch die Unmöglichkeit nicht beweisen können, es ist aber nichts nachgewiesen, was diese Annahme stützen könnte, folglich bleibt sie einstweilen nur ein unterhaltendes Gedankenexperiment.
Die Crollsche Theorie, welche annimmt, daß die Wechsel in der Excentrizität der Erdbahn die Ursache zu den klimatischen Wechseln sein sollen, hat die meisten Anhänger gefunden. Die Erdbahn ist bekanntlich zu verschiedenen Zeiten mehr oder weniger elliptisch, und nun ist Croll der Ansicht, daß dies erstens für das Klima jeder Halbkugel von großer Bedeutung ist, mag der Winter derselben auf den Theil der Erdbahn fallen, welcher der Sonne zunächst liegt (Perihelion) oder auf den, der ihr am fernsten liegt (Aphelion). In dem letzteren Falle würde nämlich der Winter mit der jetzigen Erdbahn sieben Tage länger werden als der Sommer. Die Wärme der Sonnenstrahlen in dieser Jahreszeit wird infolge des Abstandes vermindert, dies aber wird völlig dadurch aufgewogen, daß die Sonnenstrahlen im Sommer um so viel wärmer sind; dagegen wird der kürzere Sommer kaum die Wärme aufwiegen, welche die Erdoberfläche in den langen Winternächten durch den sieben Tage längeren Winter ausstrahlt. Deswegen würde eine solche Periode bessere Bedingungen für Gletscherbildung gewähren als eine andere; dies ist augenblicklich der Fall mit der südlichen Halbkugel, weshalb deren Temperatur jetzt niedriger ist als die der nördlichen.
Fällt indessen eine solche Periode mit verlängertem Winter mit einer Zeit zusammen, in der die Erdbahn ihre höchste Excentrizität oder die am längsten gestreckte Ellipsenform erreicht hat, so wird der Unterschied zwischen Winter und Sommer derartig erhöht werden, daß der Winter auf der einen Halbkugel 36 Tage oder mehr als einen Monat länger wird als der Sommer, und da, meint nun Croll, müssen alle Bedingungen für das Eintreten einer ausgeprägten Eiszeit vorhanden sein.
Er hat ausgerechnet, daß hiernach die günstigsten Bedingungen für die Bildung von großen Inlandseisen vor 200000 Jahren vorhanden gewesen sein müssen, ferner ist dies der Fall gewesen vor 750000, 850000, 2500000 und 2600000 Jahren. In Zukunft werden solche Eisperioden in 500000, 800000 und 900000 Jahren eintreten. Falls diese Theorie haltbar wäre, ließe sich also auf diese Weise eine Art Haltepunkt für eine geologische Zeitrechnung gewinnen, indem wir von den verschiedenen bekannten Eisperioden ausgehen würden.
Bei dieser Theorie ist jedoch auch der Fehler, daß sie, wenngleich sie auch die eine Art von Klimawechseln erklären könnte, doch für die andere Art keine Erklärung zu geben vermag. Wenn man sich hiernach auch denken kann, daß wir auf diese Weise zu bestimmten Zeiten Eisperioden haben können, so können doch auf diesem Wege nicht genügend günstige Verhältnisse hervorgebracht werden, um ein subtropisches Klima zu erklären, wie es doch einmal z. B. auf Grönland geherrscht hat.