Die Schneefläche, über die wir uns hinbewegten, war beinahe ganz eben, sie wölbte sich nur in schwachen, langen Wellen, die man kaum mit dem Auge wahrnehmen konnte, von der einen Uferabschrägung bis zur anderen; die Richtung der Wellenthäler ging ungefähr von Süden nach Norden (rechtweisend).
Ueber die Oberfläche des Schnees schrieb ich am 30. August, daß die lose, frischgefallene Schneeschicht, die über dem vollständig hartgefrorenen alten Eisschnee liegt, heute nur 4–5 Zoll beträgt, und daß sie eben und glatt ist, während sie an den vorhergehenden Tagen ein Fuß hoch gewesen, und dazu zu Schanzen zusammengeweht war, über die die Schlitten nur schwer hinweggleiten konnten. — Von diesem Tage an war die Oberfläche glatt wie ein Spiegel ohne andere Unebenheiten als die Spuren, die wir selber hinterließen.
Unsere Tagesmärsche waren in der Regel nicht lang, sie schwankten zwischen 1–2 Meilen. Dies hatte seinen Grund darin, daß der Weg ziemlich mühselig war. Wären wir früher im Sommer gekommen, etwa um Johannis, so würden wir eine ausgezeichnet glatte, harte Schneeschuhbahn vorgefunden haben, wie wir sie zu Anfang unserer Wanderung (22. und 23. August) gehabt hatten. Nun hatte sich jedoch auf den hartgefrorenen Schnee loser, frischgefallener Schnee gelegt, der fein und trocken wie Staub und von dem Wind zusammengeballt war, so daß sowohl die Schneeschuhe wie die Schlitten nur langsam und schwer darüber hinglitten. Bei der starken Kälte, die wir bekamen, war dies ganz ungewöhnlich schlimm, es war, als arbeiteten wir uns durch Sand hindurch, und je weiter wir kamen, desto schlimmer wurde es. Oft fiel auch feiner, frischer Schnee, der die Sache wenn möglich noch verschlimmerte. Es war so schwer, vorwärts zu kommen, daß wir uns nur mit Aufbietung aller Kräfte durcharbeiteten, jeder Schritt kostete große Anstrengungen, und das ist auf die Dauer sehr ermüdend.
Meine Tagebuchaufzeichnungen aus dieser Zeit tragen unverkennbar das Gepräge, daß wir unsere Wanderung sehr beschwerlich fanden. Ich will zur Probe einige derselben mittheilen. Am 1. September schrieb ich: „Heute war das Terrain ungewöhnlich ermüdend, es lag ein ungefähr 8–9 Zoll hoher frischgefallener, loser Schnee, der fein wie Staub und hart wie Sand die Kruste überzog, welche ein paar Zoll dick den alten, ebenfalls losen Schnee bedeckt. Gegen Mittag, als die Sonne auf den Schnee einwirkte, wurde es schlimmer denn je. In unserer Verzweiflung schraubten Sverdrup und ich die Stahlplatten unter unseren Schlittenschienen ab, weil wir glaubten, daß die Holzschienen bei einer solchen Kälte glatter über den Schnee hinweggleiten würden. Das Resultat war jedoch zweifelhaft. Es war und es blieb ein schweres Stück Arbeit, — scheinbar wird die Sache mit jedem Tag schwieriger!“ — —
Ein wenig später schreibe ich: „An einzelnen Tagen ist das Terrain besser, aber diese Freude ist stets nur von kurzer Dauer, und hinterher pflegt es schlimmer denn je zu werden. Sowohl des Nachts wie am Tage fällt häufig ein feiner Schnee, auf dem das Ziehen der Schlitten noch beschwerlicher ist als auf dem alten Schnee. Die Sonne hat, obwohl sie warm scheint, doch selbst zur Mittagszeit nicht so viel Macht, daß sie den Schnee an der Oberfläche soweit schmelzen kann,[37] daß sich eine Kruste darauf bildet.“
Am 8. September heißt es: „Der Weg ist unglaublich beschwerlich, schlimmer denn je, obwohl er hart ist; dieser Schnee ist widerspenstig wie Sand. Wir arbeiten gegen Wind und Schneetreiben an.“ — Und weiter am 9. September: „Es wurde im Laufe des Tages schlimmer mit dem Schneefall, und der Weg wurde schlechter und schlechter, — es war noch weit schlimmer als gestern; wenn ich sage, daß es war, als wenn wir die Schlitten über ein Lehmfeld zögen, so ist das keine Uebertreibung. Wir mußten bei jedem Schritt mit aller Macht anziehen, um die schweren Schlitten vorwärts zu bewegen, und am Abend waren Sverdrup und ich, die voran gingen und den Weg pflügten, fast ganz erschöpft. Die Anderen hatten es verhältnißmäßig leichter, da sie in unserer Spur gehen konnten, und ihre Schlitten mit den Stahlschienen glitten besser. Aber der Abend im Zelt mit einem guten Brei aus Brot, Bohnenwurst und Pemikan ließ uns alle Beschwerden des Tages vergessen.“
„Erschöpft.“
(Nach einer Photographie.)
Die hier mitgetheilten Auszüge beweisen wohl zur Genüge, wie schlecht die Beschaffenheit des Weges war. Uebrigens muß ich noch erwähnen, daß der Schlitten, den Sverdrup und ich gemeinsam zogen, weit schwerer zu ziehen war als alle die anderen, deswegen ließen wir ihn auch schließlich zurück. Hierüber schreibe ich: „Am 11. September fanden Sverdrup und ich, daß es schlimmer und schlimmer mit unserem Schlitten wurde, wir konnten ihn nur noch mit großer Anstrengung von der Stelle bewegen. Wir wußten nicht recht, woran dies liegen könne, er war immer schwieriger zu ziehen gewesen als alle die anderen, und Sverdrup meinte, der Teufel selber hocke gewiß hinten auf. Deswegen beschlossen wir am Vormittage, ihn zurückzulassen, statt dessen nahmen wir Baltos Schlitten, der seine Last mit auf Ravnas legte, und von nun an zogen die beiden Lappen also gemeinsam. Durch diese Veränderung ging förmlich eine neue Sonne über Sverdrups und meinem Dasein auf, wir kamen mit dem neuen Schlitten so schnell vorwärts, daß es den Anderen schwer wurde, uns zu folgen; das Leben erschien uns fortan beinahe angenehm.“
Uebrigens waren wir nicht die Einzigen, die das Leben schwer fanden; die Lappen klagten beständig, und eines Tages machte Balto Halt und sagte zu mir: