„Als wir beiden Lappen in Kristiania gefragt wurden, wie viel wir ziehen könnten, antworteten wir, daß wir Jeder 3 „Vog“ ziehen könnten, aber nun haben wir Jeder 6 „Vog“ zu ziehen, und das will ich nur sagen, wenn wir diese Last bis an die Westküste ziehen können, so sind wir stärker als Pferde.“

Um der Ansicht vorzubeugen, daß wir wenig oder doch nur geringen Nutzen von unseren Schneeschuhen hatten, was man infolge meiner Berichte über die schlechte Schneeschuhbahn etc. schließen könnte, will ich nur sagen, daß die Schneeschuhe eine absolute Nothwendigkeit waren. Ohne dieselben wären wir wohl nicht weit gekommen, wir hätten entweder einen jämmerlichen Tod erlitten oder wären zur Umkehr gezwungen gewesen. Die Skier sind, wie bereits erwähnt, für Denjenigen, der sie zu benutzen weiß, den indianischen Schneeschuhen bei weitem vorzuziehen, selbst wenn man einen Schlitten zu ziehen hat. Sie ermüden weniger, weil man sie nicht aufzuheben braucht und weil man nicht nöthig hat, die Beine mehr als sonst zu spreizen. 19 Tage hintereinander gingen wir vom frühen Morgen bis zum späten Abend auf unseren Skiern und legten gegen 50 Meilen auf ihnen zurück.

Das Wetter war ungefähr während unserer ganzen Wanderung über das Inlandseis ziemlich klar, und die Sonne schien von Zeit zu Zeit. Nur ganz ausnahmsweise war der Himmel völlig bedeckt. Selbst wenn Schnee fiel, was oft der Fall war, war er selten so dicht, daß man die Sonne nicht sehen konnte. Der Schnee an und für sich war immer sehr fein und glich mehr gefrorenem Nebel, der herabfiel, als Schnee, so wie wir ihn in Europa kennen. Es war ungefähr dasselbe, was wir in einzelnen Gegenden in Norwegen unter dem Namen Frostschnee kennen, und der sich bildet, indem die Feuchtigkeit der Luft direkt in fester Form herabfällt, ohne Wolken zu bilden.

Wenn dann die Sonnenstrahlen durch diese mit fallendem Frostschnee gefüllte Luft drangen, bildeten sich stets Ringe um die Sonne, und diese, sowie Nebensonnen und Axen durch die Sonne u. s. w. waren deswegen, so lange wir uns im Innern von Grönland befanden, ein fast tägliches Phänomen. Wenn die Sonne sich dem Horizont so weit näherte, daß ein Theil des Ringes unter den Horizont kam, pflegten sich an den Punkten, wo der Sonnenring den Rand der Schneefläche schnitt, kräftige Nebensonnen zu bilden, und gleichzeitig bildete sich eine entsprechende Nebensonne auf der Schneefläche gerade unter der Sonne.

Die Kälte nahm mehr und mehr zu, je weiter wir in das Innere eindrangen. Die Sonne hatte aber, wenn das Wetter nur einigermaßen klar war, eine große Macht, und zur Mittagszeit konnte sie oft so stark brennen, daß die Wärme geradezu unangenehm wurde. Am 31. August erwähne ich u. a. in meinem Tagebuch, daß die Sonne in den letzten Tagen so geschienen hat, daß sie den Schnee ganz feucht und weich machte; die Schlitten glitten nur mühsam hindurch, und wir bekamen nasse Füße. — Wenn es dann wieder fror, sobald die Sonne zu sinken begann, glitten die Schlitten freilich leichter, aber für die Beine sah es schlecht aus, und man mußte sich in acht nehmen, damit sie nicht abfroren. Es geschah häufiger, daß die Schuhe des Abends, wenn wir sie ausziehen wollten, mit den Ueberstrümpfen und den Strümpfen zu einem Stück zusammengefroren waren.

Später vermochte die Sonne den Schnee nicht feucht zu machen, aber sie hatte doch eine große Macht in der Höhe, in der wir uns jetzt befanden, wo die Luft selbstverständlich sehr dünn ist und verhältnißmäßig wenig von ihren Wärmestrahlen in der Athmosphäre absorbirt wird. Als Beispiel von der Wirkung, welche die Sonne hatte, will ich nur anführen, daß ein Spiritusthermometer, das am ersten September in die Sonne gelegt wurde, +29,5° C. zeigte, während die Temperatur der Luft nur −3,6° C. betrug (mit dem Schwungthermometer gemessen). In der Nacht hatten wir −16° C. gehabt.

Am 3. September zeigte ein Spiritusthermometer, das wir um die Mittagszeit auf einen Schlitten in die Sonne legten, eine Temperatur von +31,5° C., während das Schwungthermometer um dieselbe Zeit zeigte, daß die Luft eine Temperatur von −11° C. hatte.

Dieser große Unterschied zwischen der Temperatur in der Sonne und im Schatten hat zweifelsohne seinen Grund in der starken Ausstrahlung in der dünnen, wenig feuchten Luft in dieser Höhe über dem Meeresspiegel. Schon vor vielen Jahren ist ein ähnliches Verhältniß in Sibirien von unserem berühmten Landsmann, dem Astronomen Hansten, beobachtet worden. In einem Brief aus Irkutsk vom 11. April 1829 schreibt er:

— — — „Die ziemlich hohe Lage des Landes und die bedeutende Entfernung vom Meere machen die Luft trocken und dunstfrei und bewirken ein starkes Strahlen der Wärme, welches letztere mit ein Grund zu der niedrigen Temperatur des Ortes ist. Die Gewalt der Sonne im Frühling ist hier so stark, daß bei einer Kälte von 20–30° R. im Schatten des Mittags an der Sonnenseite das Wasser von den Dächern tröpfelt.“[38]

Sobald der Nachmittag herannahte und die Sonne tiefer am Himmel stand, sank die Temperatur der Luft auffallend, aber besonders bemerkbar war dies, sobald die Sonne unterging.