„— — da lag ich und starrte dem Schlitten und dem Segel nach — —“
(Von A. Bloch.)

Ich war noch nicht lange gelaufen, als ich die Axt fand, die ich vorhin hatte befestigen wollen. Eine Strecke weiter schimmerte mir auf der weißen Schneefläche, durch das Schneegestöber hindurch, ein viereckiger, dunkler Gegenstand entgegen. Es war eine Schokoladendose, mit unserer kostbaren Fleischpulverschokolade, die selbstverständlich nicht liegen bleiben durfte. Jetzt ging es eine ganze Meile in Ruhe und Frieden weiter, die Schokolade unter dem einen, die Axt und den Skistab unter dem andern Arm. Dann aber entdeckte ich abermals verschiedene dunkle Gegenstände im Schnee. Diesmal war es eine mir gehörende Pelzjacke sowie nicht weniger als drei Pemikandosen, die zerstreut umher lagen. Das war mehr, als ich bewältigen konnte. Hier war nichts anderes zu thun, als sich ruhig hinzusetzen und auf Hülfstruppen zu warten. Von meinem Platz aus konnte ich unser stolzes Fahrzeug überblicken, das Segel glich einem kleinen, viereckigen Lappen. Rastlos in fliegender Fahrt sausten die Schlitten dahin, plötzlich machten sie eine Wendung, die Sonne blitzte auf den Blechdosen, und das Segel fiel. Dann kam Kristiansen, und eine Weile später segelten die drei anderen Gefährten herbei. Sie mußten zwei von unseren Blechdosen aufnehmen, als wir sie aber festschnüren wollten, entdeckte Balto, daß auch sie nicht weniger als drei Pemikandosen eingebüßt hatten. Das war ein unersetzlicher Verlust, deswegen mußten sie zurückgehen und sie aufsuchen.

Inzwischen sausten Kristiansen und ich von dannen, Jeder mit einer Blechdose unterm Arm, zu Sverdrup hin, den wir bald erreichten. Und hier warteten wir nun auf die Anderen, was in dem schneidenden Wind und ohne jeglichen Schutz ein saures Stück Arbeit war. Sverdrup erzählte, er habe tapfer darauf losgesegelt und gefunden, daß es ausgezeichnet ginge. Er habe geglaubt, daß wir Beide hinten aufsäßen, denn vor dem Segel sei nichts zu sehen gewesen. Nach einer Weile sei es ihm so auffallend gewesen, daß die Passagiere da hinten so still waren, er habe einen Anlauf zu einer Unterhaltung genommen, aber es sei keine Antwort gekommen. Nachdem er eine Strecke weiter gesegelt, habe er abermals gerufen, diesmal lauter als vorher, schließlich habe er aus Leibeskräften geschrien, — es sei aber alles still geblieben. Er habe dies genauer untersuchen wollen und deshalb gegen den Wind an gesteuert, sei dann hinten herum gegangen und habe hinter das Segel geguckt. Wer beschreibt aber seinen Schrecken, als er dort Niemanden fand! Er schaute nun durch das Schneegestöber hindurch, den Weg entlang, den er gekommen war, und es schien ihm, als könne er ganz im Hintergrunde einen schwarzen Punkt entdecken. Das war meine Wenigkeit, auf den verlorenen Blechdosen thronend, und dann drehte er das Segel, was keine leichte Arbeit bei dem starken Winde war, und wartete geduldig auf uns.

Es währte jedoch eine lange Zeit, bis die Andern kamen. Wir konnten die Schlitten durch das Schneegestöber sehen, soweit es sich aber erkennen ließ, war kein Segel gehißt. Von den Gefährten war nichts zu erblicken. Endlich entdeckten wir einige kleine dunkle Punkte in weiter Ferne auf dem Schnee, sie schleppten etwas Glänzendes herbei, was zweifelsohne die Blechdosen waren. Einen Augenblick später wurde das Segel gehißt, es wurde größer und größer, und bald waren sie bei uns.

Wir schnürten unsere Schlitten jetzt noch fester aneinander und befestigten die Last sorgfältig, damit ein solcher Zwischenfall sich nicht wiederholen sollte. Dann brachten wir hinten auf den Schlitten einige Taue an, an denen wir uns halten oder mit denen wir uns festbinden konnten, während wir auf den Schneeschuhen standen. Auf diese Weise ging es vorzüglich, und diese Schneeschuhfahrt ist ohne Zweifel die amüsanteste, die ich jemals mitgemacht habe.

Nach einer Weile wurde Sverdrup des Steuerns überdrüssig, deswegen nahm ich seinen Platz ein. Wir hatten jetzt viele anhaltende und starke Senkungen, sowie günstigen Wind, — die Schlitten sausten dahin, als ging es einen guten, steilen Schneeschuhberg hinab, und dies Terrain veränderte sich stundenlang nicht. Es ist sehr spannend, vorn zu stehen und zu steuern, man muß auf das genaueste acht geben und darf vor allen Dingen nicht fallen, denn sollte dieser Fall eintreten, so würde in blitzschneller Fahrt das ganze Gefährt über den Unglücklichen hinsausen, man unter die Schienen gerathen und vorwärts geschoben werden und müßte froh sein, wenn man mit heilen Gliedern davonkäme. So etwas darf nicht geschehen, — man muß jede Bewegung berechnen, jede Muskel muß angespannt sein und die Schneeschuhe müssen gut zusammengehalten werden, während die Hand die Steuerstange sicher umschließt und das Auge unverwandt vorwärtsspäht; sorgfältig müssen die schlimmsten Schneeschanzen vermieden werden, im übrigen aber läßt man das Gefährt dahinsausen, mit den Schneeschuhen über Höhen und Tiefen hinweggleitend.

Segelfahrt auf dem Inlandseise am 19. September.
(Von A. Bloch nach einer Photographie.)

Das Einnehmen der Mahlzeit war an jenem Tage gar nichts Angenehmes, deswegen suchten wir so schnell wie möglich damit fertig zu werden.