Ja, wir erinnern uns wohl Alle noch des 21. September, als wir zum erstenmal Wasser bekamen!
Sobald wir in das Zelt gekommen waren, wurde die herrlich duftende Suppe in Tassen gegossen, und wir sprachen der Mahlzeit mit mehr als gewöhnlichem Appetit zu, was sehr viel sagen will. Jetzt konnte auch Ravna essen. Bis dahin hatte er immer behauptet, er könne nicht ordentlich essen, weil er sich nie satt trinken dürfe. Er hob häufig von seinen Rationen auf und ärgerte uns Andere oft, indem er vier bis fünf Fleischbiskuits hervorholte und sie uns zeigte, um uns den Mund wässern zu machen. Wahrscheinlich bedurfte sein kleiner Körper nicht einer so reichlichen Menge Speisen wie unsere großen Leiber. Nach dem Abendessen wurde Citronentoddy servirt, der aus Citronensaft, einigen Tropfen Citronenöl und Zucker in warmem Wasser bestand. Wie wir so in unseren Schlafsäcken dalagen und dies Getränk in langen Zügen einsogen, mundete es uns ganz vorzüglich.
Ich war lange nicht so ermüdet gewesen wie heute. Dies stundenlange Stampfen durch den frischgefallenen Schnee greift die Beinmuskeln an. Auch den Andern ging es nicht viel besser. Aber hinterher im Zelte senkte sich über solche Abende ein unsagbares Gefühl des Wohlseins, und über alle Mühen und Beschwerden des Tages legt sich der mildernde Schleier des Vergessens.
Ein kleiner Lichtstummel, der letzte, den wir besitzen, erleuchtet, so lange wir essen, den kleinen Raum. Endlich ist man fertig, alles wird für den nächsten Morgen vorbereitet, das Licht wird ausgeblasen, man zieht den Kopf ganz unter den Deckel des Schlafsacks und schlummert bald in das Land der Träume hinüber.
[40] Wir befanden uns zu der Zeit in Wirklichkeit etwa 26 geograph. Meilen vom eisfreien Lande entfernt.
[41] Es waren in Wirklichkeit etwa 20 Meilen.
Kapitel XXI.
Abwärts bis an den Ameralik-Fjord.
m Morgen des 22. September vor dem Frühstück, während Balto Thee kochte, unternahmen Sverdrup und ich einen Rekognoszirungsausflug auf den südlich vom Zelt gelegenen Höhenrücken, der von bodenlosen, breiten Spalten quer durchschnitten war. Einmal fiel ich durch eine Schneebrücke, aber die Spalte war so schmal, daß ich an beiden Seiten Halt hatte und nach einigen Anstrengungen wieder in die Höhe kam.
Vom Gipfel des Bergrückens hatten wir eine prächtige Aussicht über das Eis rings umher. Es sah aus, als wäre es überall schwer fortzukommen, gespaltete Eisrücken zogen sich in westlicher Richtung bis an den Eis-Fjord Kangersunek, den wir jetzt dort vor uns liegen sahen, während wir früher im Zweifel waren, was für ein Thal oder ein Fjord es sei. Wir konnten uns jetzt gründlich orientiren und sahen ganz deutlich, daß wir eine ganze Meile nördlicher gekommen waren, als wir beabsichtigten. Um auf die leichteste Weise fortzukommen, mußten wir noch eine Weile in westlicher Richtung gegen den Fjord ziehen, und dann vielleicht ein wenig mehr gegen Süden.