Ueber einer Eisspalte. (Von E. Nielsen.)

Auf dem Rückweg fiel ich mit beiden Schneeschuhen in eine Spalte und blieb unter den Armen hängen. Es sah nicht gerade gemüthlich aus, denn obwohl die Spalte nur schmal war, machte es mir doch große Mühe, mich mit den Schneeschuhen auf den glatten Eisrand wieder in die Höhe zu arbeiten, und ich war ganz allein; Sverdrup war vorausgelaufen und ahnte nichts von meiner unbequemen Lage. Nach ein wenig Zappeln kam ich glücklich wieder in die Höhe. Merkwürdigerweise versanken wir niemals tiefer als bis an die Arme.

Aussicht gegen Kangersunek-Fjord (22. September).
(Nach einer Skizze vom Verfasser.)

Ueber unebenes Eis (23. September).
(Von E. Nielsen nach einer Photographie.)

Wir waren nicht weit zurückgegangen, als ich nördlich von uns auf dem Höhenrücken, den wir den Gefährten angewiesen hatten, das braune Zelt erblickte. Sie waren ungefähr vor einer halben Stunde angekommen und hatten nun den Kaffeekessel „in Schwung“ gesetzt. Wir waren ja jetzt in der Nähe der Westküste, da wurde es mit dem Kaffeeverbot nicht so genau genommen. Es währte indessen eine ganze Weile, bis der Kaffee fertig war, was uns nicht weiter unangenehm war, da uns eine kleine Ruhe nach unserer Skitour sehr wohl that. Als der Kaffee getrunken war, brachen wir das Zelt ab und richteten den Kurs gen Süden, um südlich von dem Eisstrom zu gelangen, der sich in den Fjord hineinschiebt, und in den wir hineingerathen waren. Das Eis war im Anfang gut, und es ging schnell vorwärts, obwohl der Wind hin und wieder Anstrengungen machte, die Schlitten nach der Seite herumzudrehen. Gegen Abend, als es bereits zu dämmern begann, kamen wir indessen an einen Rücken mit schlimm zerklüftetem Eis. Hier mußten wir eine kleine Rekognoszirung vornehmen, ehe wir weiter gingen, deswegen blieb uns nichts übrig, als das Zelt aufzuschlagen und bis zum nächsten Tage zu warten. Während das Abendessen bereitet wurde, unternahmen Sverdrup und ich einen kleinen Ausflug. Das Eis war ganz abscheulich, noch schlimmer als am vorhergehenden Abend, aber man konnte doch bei einiger Vorsicht ziemlich vorwärtskommen, und der Rücken war glücklicherweise nicht sehr breit.

Am folgenden Morgen (23. September) unternahm Sverdrup noch eine Rekognoszirungstour und kehrte mit verhältnißmäßig befriedigenden Nachrichten zurück. Das Eis war nicht so schlimm, wie es uns auf den ersten Blick erschienen war. Es war sogar möglich, die Schlitten hinüberzubefördern, ohne sie zu tragen, wenn wir uns zu je Dreien um einen Schlitten vereinigten.

Ueber unebenes Eis. Sverdrup grübelt über die Widerwärtigkeiten des Lebens nach. (23. September).
(Nach einer Photographie des Verfassers.)