Im Laufe des Tages wurde das Wetter immer schöner, und gegen Mittag schien die Sonne strahlend hell. Spiegelblank breitete sich der Fjord um uns her aus, und die hohen steilen Felsen, die ihn umgeben, hatten genügend Gelegenheit, ihre eigene Schönheit in dem Spiegelbild zu bewundern, welches das blanke Wasser zurückwarf. Wir lagen höchst gemächlich hinten in dem kleinen, weißgemalten Boot und konnten uns in aller Ruhe der Betrachtung der großartigen Natur hingeben. Als die Sonne allmählich tiefer sank und die Felsen ihre langen Schatten über den Wasserspiegel warfen, schien die Natur selbst die bis dahin so munteren Grönländer feierlich zu stimmen; die lebhafte Unterhaltung und das fröhliche Gelächter verstummten allmählich, bis endlich eine völlige Stille eintrat. So ruderten wir eine lange Zeit weiter, nur das einförmige Plätschern der Ruder unterbrach die Stille, nichts Lebendes war zu erblicken, die ganze Natur ruhte. Allmählich wurde das Schweigen den Grönländern doch zu beklommen, der Ernst, der in dem todesstillen Dasein mitten in einer großartigen Natur liegt, ergriff die Besatzung, und plötzlich stimmte sie ein geistliches Lied an, dem bald andere folgten, und unter dem Absingen von Kirchenliedern glitt das Boot durch die zunehmende Finsterniß der Nacht dahin.“

Den nächsten Tag erreichte man Godthaab. In Dietrichsons Aufzeichnungen heißt es darüber:

„Wir konnten annehmen, daß wir um die Mittagszeit bei der Kolonie eintreffen würden. Was die Leute wohl dachten, wenn sie uns erblickten? Knochenmager, mit langem Haar, ungeschorenem Bart und dem alten Schmutz von drei Monaten auf unseren Körpern, sahen wir aus wie Vogelscheuchen. Am Ufer des Fjordes hatten wir vergebens versucht, einen Theil des Schmutzes mit warmem Wasser und Sand zu entfernen, — dazu bedurfte es der Seife, und die hatten wir nicht. Deswegen waren und blieben wir gleich schmutzig. Ein erneuter Versuch, uns zu putzen, würde ebenso fruchtlos gewesen sein, so sahen wir uns denn gezwungen, mit unserer Toilette zu warten, bis wir die Kolonie erreicht hatten.“

Dietrichson schließt seinen Bericht mit den Worten: „Als wir landeten, wurden wir auf das herzlichste empfangen von unseren später so liebenswürdigen Wirthen, dem Koloniedirektor Bistrup und Frau, sowie von den sämtlichen anderen dänischen Familien, die herbeigekommen waren, um uns willkommen zu heißen.

Nach 16tägiger Trennung von den Kameraden sahen wir uns am 12. Oktober wieder mit ihnen vereint!

Das Ziel war erreicht. Sicher und wohlbehalten hatten Alle eine dänische Kolonie an der Westküste erreicht, nachdem die Eisgefilde Grönlands von Osten bis Westen durchwandert waren.“

Kapitel XXIV.
Reisebericht des Grönländers Silas.

ls ganz eigenthümlich in seiner Art will ich hier noch einen Bericht mittheilen, den Silas — einer der Kajakmänner, die aus Umanak an den Ameralikfjord gesendet wurden — selbst in seiner Muttersprache geschrieben hat.

Derselbe wurde auf Grönländisch in der Zeitung „Atuagagdliutit“ veröffentlicht, die monatlich in einer Nummer in Godthaab erscheint und gratis an die Grönländer vertheilt wird.