Die hier wiedergegebene Uebersetzung ist freundlichst für mich von dem Koloniedirektor Brummerstaedt (Holstensborg) besorgt worden und schließt sich dem Originaltext so eng wie möglich an.

Dieser Bericht in seiner langgezogenen Umständlichkeit und seinen zahlreichen Wiederholungen ist äußerst charakteristisch für die ganze Erzählungsweise der Eskimos. Man darf nicht vergessen, daß der Verfasser ein ganz gewöhnlicher Seehundsfänger und Jäger ist, der keine andere Erziehung genossen hat, als wie sie Jedermann dort oben zu theil wird.

Erzählung

von den Europäern, welche Grönland von Osten bis Westen über das Inlandseis durchfahren haben, sowie von ihrer Ankunft an dem Ameralikfjord und in Godthaab.

(Geschrieben von Silas aus Umanak.)

Ich will zuerst von unserer Reise nach Karkuk erzählen; wir Grönländer, die wir in den Fjorden wohnen, lassen es uns sehr angelegen sein mit unseren Fuchsfallen, da wir durch den Verkauf der Felle eine Menge Geld in die Hände zu bekommen pflegen. Ende September reisten wir vier Mann stark nach Karkuk, nämlich ich, Peter, David und mein Pflegesohn Konrad, der Letztere war nämlich im Mai durch den Vorstand in stand gesetzt, sich einen Kajak anzuschaffen. In Karkuk angelangt, gingen David und ich am nächsten Tage auf die Rennthierjagd, Peter und Konrad sahen nach den Fuchsfallen. Wir sahen eine Menge Spuren, aber keine Thiere, da es indessen nach Regen aussah, kehrten wir am nächsten Tage langsam um. Als der Wind sich legte, gingen David und ich quer über den Fjord, wir sahen einen kleinen Fjord-Seehund auftauchen, verfolgten ihn, schossen aber mehrmals vorbei, da der Seegang ziemlich stark war. Weil wir sonst kaum Seehunde mehr sahen, ging David von mir fort zu den beiden Anderen hin nach der entgegengesetzten Seite des Fjordes, wogegen ich meinen Kurs mitten über den Fjord beibehielt; als ich mich unserm Wohnort näherte und an einem kleinen Vorgebirge vorübergekommen war, bemerkte ich, daß draußen vor den Häusern ein hölzernes Boot lag; ehe wir reisten, hatte ich gehört, daß der Missionar Besuch von dem Direktor aus Godthaab erwartete, der in Karusk gewesen war; er war es auch wirklich, der angekommen war. Als ich dicht am Ufer anlangte, entdeckte ich zwei Kajaks, die nur ein wenig über den Hochwasserstand in die Höhe gezogen waren, es stellte sich heraus, daß es zwei Postboten in den Kajaks der Seminaristen waren.

Gerade als ich aus meinem Kajak herausgekommen war, kam mein Pflegesohn zu mir an das Ufer hinab und erzählte mir, daß Diejenigen, welche von der Ost- bis zur Westküste über das Inlandseis gegangen waren, glücklich am Ameralikfjord angekommen seien, vier von ihnen wären noch am Fjord, zwei von ihnen wären in einem aus Zeug angefertigten Boot nach Godthaab gekommen.

Als ich dies hörte, erstaunte ich sehr und sagte sofort, wenn ich ihnen doch im Sommer begegnet wäre, als ich auf Rennthierjagd bei Kapisilk war. (Wir hatten nämlich davon gehört, daß einige Leute die Reise über das Inlandseis versuchen wollten.) Dann sagte ich: „Wie haben sie es doch nur angefangen, vom Ameralikfjord bis nach Godthaab in einem Zeugboot zu reisen, der ganze Weg besteht ja aus lauter steilen unzugänglichen Felsklippen; das ist höchst sonderbar, den Weg hätte kein Grönländer in einem solchen Boot zurücklegen können.“

Ich ging dann in mein Haus hinauf, zog meine Pelzjacke und Beinkleider aus und fing an zu essen, bald darauf klopften die Kinder an die Fensterscheiben und sagten, daß Otto (der Missionar) mich rufe. Ich beeilte mich, meine Beinkleider wieder anzuziehen, aber die Kinder riefen mir durch das Fenster zu, Otto wäre im Begriff, in mein Haus zu gehen; da es zu lange gewährt haben würde, wenn ich meinen Anorak angezogen hätte, ging ich in Hemdsärmeln hinaus und traf ihn neben meinem Hausgang. Als ich hinauskam, sagte er zu mir: „Du kennst jeden Weg nach dem Ameralikfjord gut, da die vier Europäer, die sich dort befinden, sehr zu bedauern sind, so sollst du und Peter, der Kajakmann des Direktors, zu ihnen gehen, um ihnen Proviant zu bringen; beeile dich ein wenig und mache dich bereit für die Reise.“

Da ich, wie gesagt, erst soeben nach Hause gekommen war, hatte ich anfänglich keine sonderliche Lust zu der Reise, aber ich entschloß mich endlich doch dazu.