Es regnete sehr stark; als die Uhr vier nachmittags war und ich Kaffee getrunken hatte, ging ich, während ich auf die Briefe wartete, in das Besaetningszelt des Direktors, um etwas Neues zu hören. Der Bootsmann erzählte mir da, daß zwei von dieser Expedition Lappen seien, ich hatte ja freilich, als ich zur Schule ging, davon gehört, daß ein Volk existire, das Lappen hieß, aber über ihre Sitten und Gewohnheiten wußte ich nichts.
Als die Briefe fertig waren und wir (Peter und ich) unsere Kajaks mit Proviant, Spiritus etc. angefüllt hatten, reisten wir ab, um möglichst das Heringshaus noch vor der Nacht zu erreichen, da es zu stark regnete, um unter offenem Himmel zu liegen und keine großen Steine mit Höhlen darunter da waren, wo wir hätten übernachten können. Als es anfing dunkel zu werden, kamen wir dahin und gingen in das Haus hinein; da das Dach undicht war, tropfte der Regen stark in das Haus, ich hatte glücklicherweise einen Theekessel und eine Untertasse bei mir, die Untertasse benutzten wir als Lampe und schliefen, so gut es eben ging.
Am Morgen machten wir Kaffee und fuhren dann, sobald es hell wurde, von dort ab.
Als wir nach Itiodlek kamen, trugen wir erst den mitgebrachten Proviant etc. über Land an die entgegengesetzte Seite von unserem Landungsplatz, dann nahmen wir unsere Kajaks auf den Kopf und gingen mit ihnen über das Land, um das Umrudern dieses Landes zu sparen. Wir hatten erwartet noch am Abend den Ameralikfjord zu erreichen, da aber der Südwestwind mehr und mehr aufkam und die See unruhig war, kamen wir nur bis Kingaks Nordseite, da ich nicht um Kingaks Naes herumrudern wollte, weil ich es nicht genau genug kannte, um es bei dem starken Sturm zu passiren, und weil ich wußte, daß sich in der Nähe des Vorgebirges kein Ort befand, wo wir hätten anlegen können, falls der Sturm zu heftig wurde.
Dort fanden wir eine größere Höhle unter einem Stein, in die krochen wir hinein und schliefen dort.
Als es anfing hell zu werden und da es einigermaßen ruhiges Wetter war, fuhren wir von dort ab, nachdem wir unsern letzten Kaffee getrunken hatten. Als wir einige Zeit gerudert hatten, kamen wir endlich an dem Vorgebirge vorüber, vor dem ich mich am meisten geängstigt hatte, ruderten dann in den Fjord hinein, und da mein Begleiter diesen Weg nie zuvor gesehen hatte, nannte ich ihm die Namen der verschiedenen Felsen und erzählte ihm, welche Wege wir zu nehmen pflegten, wenn wir auf die Rennthierjagd gingen.
Wir wußten nichts Bestimmtes darüber, wo diese Menschen sich aufhielten, ich glaubte, daß es das Wahrscheinlichste sein würde, daß sie sich auf einem der Zeltplätze am Ufer des Fjords aufhielten. Als wir deswegen über den Fjord setzten und uns ein wenig vor Ivigtussok befanden, feuerten wir mehrere Schüsse ab, aber sie wurden nicht beantwortet; wir ruderten immer weiter, — trafen zwei Seehunde, die wir zu schießen versuchten, da aber der Wind zu stark war, gelang es uns nicht, — und langten am Ende des Fjordes an, feuerten abermals einige Schüsse ab, die ebenfalls nicht beantwortet wurden, worauf wir anfingen, die Befürchtung zu hegen, daß wir die von uns Gesuchten nicht treffen würden.
Bald darauf meinten wir jedoch einen Schuß zu vernehmen, ich glaubte, daß er von Umiviarsuit komme, ich sagte deshalb zu meinem Begleiter: „Laß uns hier bei Umiviarsuit an Land gehen und erst auf der anderen Seite des großen Baches nachsehen, ob sie dort nicht sind, das ist ja möglich.“
Nachdem wir unsere Kajaks durch den Lehm auf den festen Erdboden gezogen hatten, nahm ich den Brief und meine Büchse, Peter nahm die seine ebenfalls mit, damit wir Signalschüsse abfeuern konnten. Als ich einmal geschossen hatte (die Büchse meines Begleiters Peter war naß geworden, so daß sie nicht gebraucht werden konnte), hörten wir endlich ganz in der Nähe einen Schuß und entdeckten Spuren von großen Stiefeln. Da wir nun nicht länger daran zweifelten, daß wir sie treffen würden, wurden wir sehr guter Laune, namentlich, weil wir wahrscheinlich die Lappen zu sehen bekommen würden. Allmählich, als wir weiter vordrangen, trafen wir auf Spuren von Grönländern; wir hatten geglaubt, daß wir die ersten Grönländer sein würden, die zu ihnen kamen, aber wie wir später erfuhren, waren wir nur ein wenig später gekommen als die beiden anderen Grönländer. Nach einer Weile erblickte Peter ein Zelt und Menschen, die davor gingen. Während Peter Hurrah rief, schoß ich mit meiner Büchse vor Freude, — wir suchten nach dem besten Weg, um zum Zelt hinabzugelangen, da wurde uns auf Grönländisch zugerufen: „Amuinak!“ (d. h. geht gerade herunter). Da erkannten wir die beiden Grönländer, es stellte sich heraus, das es die beiden Brüder Terkel waren, der Vorsteher und sein jüngerer Bruder Hoseas aus dem Wohnplatz Sardlok, sie waren soeben dort angekommen, um gleichfalls Proviant zu bringen. Wir sahen die beiden Norweger und die beiden Lappen eine Mahlzeit einnehmen und Kaffee trinken, von dem, was ihnen gesendet war; sie hatten einen Tisch gedeckt, indem sie einen ihrer großen Schlitten als Tisch benutzten.
Als wir ganz zu ihnen hingekommen waren, reichte ich einem von ihnen die Briefe, als er sie erhalten hatte, gab er sie gleich dem, der am weitesten von ihm entfernt saß (Lieutenant Dietrichson).