Die grönländischen Eskimos bringen den größten Theil ihrer Zeit in ihren Kajaks zu; wenn der Morgen graut, ziehen sie aus, um erst spät am Tage mit ihrem Fang heimzukehren. Die Frauen dagegen halten sich zu Hause und besorgen ihre Wirthschaft.

Im Winter wohnen die Eskimos in festen Häusern, die aus Stein und Torf gebaut sind, und deren Fußboden oft niedriger liegt als die Erdoberfläche. Diese Häuser haben nur einen Raum, in dem sich die ganze Familie aufhält, oft bewohnen auch mehrere Familien ein solches Haus, — Männer und Frauen, Alte und Junge, alles bunt durcheinander.

Eine Eskimo-Wohnung im Winter.
(Vom Verfasser gezeichnet nach einer in Sukkertoppen aufgenommenen Photographie.)

Dieser Raum ist in der Regel so niedrig, daß man nur zur Noth aufrecht darin stehen kann, und hat eine länglich viereckige Form. An der ganzen Hinterwand entlang läuft die Hauptpritsche, die 5–6 Fuß tief ist, und auf der die Bewohner des Hauses schlafen, d. h. größtentheils nur die Verheiratheten sowie die unverheiratheten Töchter; hier liegen sie Seite an Seite nebeneinander, mit den Beinen nach der Wand zu und den Köpfen nach dem Zimmer hinein, die unverheiratheten Männer pflegen auf kleineren Pritschen unter den Fenstern zu liegen, die sich an der entgegengesetzten Wand befinden und deren es eine, in wohlhabenden Häusern zwei, selten jedoch mehr giebt. An den Seitenwänden — den Kurzwänden — befinden sich in der Regel gleichfalls Pritschen; hier wie auf den Pritschen unter den Fenstern, falls dort Platz ist, pflegen die Gäste zu schlafen. Wohnen mehrere Familien in demselben Hause, was ziemlich allgemein ist, so ist die Hauptpritsche durch ganz niedrige Querwände in verschiedene Stände für je eine Familie getheilt.

In den alten grönländischen Häusern gab es keine Feuerherde, man erwärmte die Häuser durch Thranlampen, die Tag und Nacht brannten — ein Eskimo schläft nur im äußersten Nothfall im Dunkeln — und die gleichzeitig zum Kochen benutzt wurden, was in dem gemeinsamen Raum geschah. So ist es noch heute an der Ostküste, auch an der Westküste werden die Häuser in der Regel noch jetzt ausschließlich durch Thranlampen[66] erwärmt, das Essen aber wird jetzt doch gewöhnlich mit Torf oder Mövenhaufen auf eigenen Herden gekocht, die neben dem Hause errichtet sind (als Seitentheil des unten beschriebenen Hausganges). Früher benutzte man Kochtöpfe aus Stein, an der Westküste sind an deren Stelle jedoch auch eiserne Töpfe getreten, die man von der grönländischen Handelscompagnie kaufen kann.

Ein langer, enger Gang, der noch niedriger liegt als das Haus, und in den man von der Erdoberfläche vermittelst eines Loches zu gelangen pflegt, führt in das Haus. Er pflegt so eng und so niedrig zu sein, daß man nur kriechend hindurchgelangen kann, und wenn man groß ist, so kostet es Mühe, überhaupt in die Häuser zu kommen. Der Zweck dieser Gänge ist es, den Zutritt der kalten und das Entweichen der warmen Luft zu verhindern, deswegen sind sie auch so eng und liegen so tief.

Früher verließen die Grönländer, sobald der Sommer kam, ihre räucherigen Häuser, deren Dächer zum besseren Auslüften aufgerissen zu werden pflegten, und streiften den ganzen Sommer mit ihren Zelten von dem einen Fangplatz bis zum andern, einen Monat (im Juli oder August) verweilten sie dort, wo sich Rennthiere fanden, und diese Jagdzeit pflegte die schönste Zeit des Jahres für sie zu sein mit Rennthiertalg und Mägen.[67] Dies Sommerleben in den Zelten ist auch nebenbei sehr gesund für die Grönländer. Leider ist es infolge der in letzter Zeit eingetretenen Veränderungen an der Westküste nicht mehr so allgemein, denn die Zahl der Fänger, die im stande sind, genügend Felle für die Zelte und Frauenböte zu schaffen, ist sehr im Abnehmen begriffen — beides ist aber selbstverständlich für diese Reisen ganz unentbehrlich. Statt dessen sind sie jetzt gezwungen, das ganze Jahr in den engen, dumpfen Winterhäusern zu verbringen. Der Rückschritt in dieser Beziehung ist in den letzten Jahren ganz beunruhigend gewesen.

C. Das bürgerliche Leben in Grönland. Eigenthumsbegriffe. Gefälligkeit. Gastfreundschaft.

Es ist keineswegs eine leichte Aufgabe, eine Schilderung von der westgrönländischen Bevölkerung und ihrer jetzigen socialen Einrichtung zu machen, denn infolge des Einflusses der Europäer wie ihres vielfach direkten Eingreifens während der letzten 150 Jahre sind die alten bürgerlichen Verhältnisse theilweise in Verfall gerathen.