Mai 1916.

Die Sonne senkte sich auf die Bergrücken herab, als der Jäger Johann und ich von Örnelund in den Ankerwäldern in Smålene auf Jagd zogen. Wir ruderten in südlicher Richtung über den See und schlugen den Weg nach der Höhe bei Trettern ein, wo wir am Abend jagen wollten.

Gerade bei Sonnenuntergang kamen wir ans Ziel. Der Hügel mit mäßig hohem Tannenwald fällt nach Westen hin gleichmäßig ab. Voriges Jahr hatte man dort Holz geschlagen. Wipfel und Zweige lagen herum, und es war nicht leicht zu finden, wo der Auerhahn seinen Balzplatz hatte; es mußte ganz oben auf dem Rücken sein. Wir setzten uns auf dem Abhang am Ostrand nieder. Dort mußten wir den Hahn einfallen hören, sowohl am Bergrücken hier als auch im Wald im Osten unter uns.

Wir fanden einen geschützten Platz mit weiter Aussicht, wo wir gut gedeckt saßen, jeder an seine Tanne gelehnt.

Im Nordwesten glühte noch der Himmel, aber es dämmerte, und langsam kam die Nacht über den Wald dahergezogen. Es war nicht so windig wie gestern abend, nur hier und da ging ein Rauschen durch die Baumwipfel.

Die Singdrossel war geschäftig; sie kam von einem Lied ins andere, brachte bald hohes, munteres Gezwitscher und Geschwätz, bald lange spottende Strophen — vielleicht auf all die Greuel der Menschen, die sie im Süden sah? —, und dann zitterten wieder tiefe Brusttöne durch die Schwermut des Waldes. Das Rotkehlchen half dabei nach Kräften, und es klang fast wie ein Wettstreit zwischen den beiden, aber die Singdrossel gewann. Zwischenhinein ließ sich noch der und jener andere Sänger hören.....

Dann wurde es allmählich still, nur hier und da trillerte durch den Waldfrieden noch eine verspätete Strophe, die in einer Kehle steckengeblieben war.

Des Himmels schwacher Purpurschein im Osten wurde dunkler, der dunkelblaue Schatten der Erde zog höher und höher am Himmelsgewölbe hinan.

Es duftete nach frischer Erde, nach Frühling und Nadelwald .....