Die Fahrt von den lachenden Mjöslandschaften das lange Gudbrandstal hinauf bis Otta bietet nicht viele Überraschungen. Gutgehaltene Gehöfte leuchten zu beiden Seiten des glitzernden Lågen. Das Leben geht im Talgrund seinen gleichmäßigen, altgewohnten Gang. Der ziemlich gelichtete Wald erstreckt sich auf beiden Seiten die Abhänge hinan bis zum Rand des kahlen Gebirges.

Verläßt man aber diese Einförmigkeit und geht ein Seitental hinauf, wie es die Waldschlucht ist, durch die sich die Ula ihren Weg vom Hochland herab bricht, dann ist man bald in einer neuen Welt.

Durch ein einsames Waldtal kommt man am Fluß entlang aufwärts, der in lauter Wasserfällen zur Seifensteinmühle unten im Tal hinabstürzt.

Hat man eine enge Bergpforte hinter sich, dann erweitert sich das Tal etwas und wird oben flacher. Die großen weißen Terrassen zu beiden Seiten mit den horizontalen Schichten zeigen, daß hier einmal, wohl am Schluß der Eiszeit, ein großer Binnensee gewesen ist. Jetzt ist er ausgetrocknet, da sich der Fluß einen freien Lauf gebahnt hat durch diese Rinne im Berge, die wohl von einer Moräne aufgedämmt worden war, oder vielleicht auch vom Eise, als das Tal draußen von einem Gletscher angefüllt war.

Dann wird das Tal wieder enger, und es geht höher hinauf. Allmählich wird der Wald niedriger und lichter, bald steht man an seinem oberen Rand. Die Talschlucht erweitert sich. Nach oben wird es flacher, und vom obersten Rücken, meint man, müsse man schon einen Ausblick auf die Bergweite mit ihren Gipfeln haben.

Das Barometer war gestern gesunken, schwere Wolken zogen jetzt von Osten her. Es mochte wohl Regen geben, aber es war gutes Wetter zum Gehen.

Jenseits der Schlucht liegt eine Sennhütte in etwas lichtem Wald mit flachen Mooren. Von da kommt man zur Mysualm hinauf. Im Birkenwald steht Hütte an Hütte; rot angestrichen, mit grünem Torfdach, vorn Fahnenstangen; sie sind von Stadtleuten gebaut, die sich hier im Sommer aufhalten und die Gebirgsluft genießen, im Herbst auf die Jagd gehen und zu Ostern Schneeschuh laufen.

Dann kommen die Touristenhütte und die Sennhütten. Aber der Weg führt höher hinauf, ins kahle Gebirge. Bald ist man ganz oben, und die Bergweite liegt wie eine Almwiese vor einem und wogt in weichen, mit Heidekraut und Moos überwachsenen Wellen.

Über dem allen liegen die Berge. Dort ist Rondane! Wolkenhohe Steinmassen wölben sich Kuppe an Kuppe über den Bergheiden mit tiefen Spalten, mit Firnen und Talkesseln und Schutthalden — eine Märchenwelt für sich.