Es ist wie eine Lawine, die auf ihrem Weg zum Abgrund immer mehr mit sich fortreißt, Bäume, Wälder, Häuser, Gehöfte. Sie nimmt zu an Furchtbarkeit; alle wissen, daß sie das ganze Tal begraben wird, aber keine Macht kann sie aufhalten, sie muß ihren Lauf vollenden.
Und wofür wird gekämpft? Für Macht! Nur für Macht! Wenigstens die, die angefangen haben....
Konnte es denn anders kommen? Eine Kultur, die die Macht als das hohe Ziel der Völker setzt, kann die Menschheit nicht vorwärtsbringen; sie mußte sie schließlich hierher führen — dem Untergang entgegen.
Für die einzelnen wie für die Staaten galt als Forderung der freie, rücksichtslose Wettlauf nach dem materiellen Erfolg um jeden Preis, nach äußerer Macht, nach Glanz.
Um das Ziel zu erreichen, nahmen die Völker auf nichts anderes mehr Rücksicht als auf sich selbst. Ideale, Moral konnte jeder mit heiligem Recht mit Füßen treten, sobald nur sein Volk Vorteil davon hatte. Da konnten feierliche Versprechen gebrochen werden, da konnte gelogen, betrogen, da konnte gemordet werden mit Lug und Trug. Da wird der Mann zum Verräter, der nicht jedes Mittel anwenden will, um die Gegner seines Volkes zu vernichten. Ja, wenn es notwendig war, schadete es nichts, wenn einer die übrige Menschheit vernichtete, sobald sein eigenes Volk Platz brauchte....
Der Feldruf ist: Nieder mit allen andern, wenn nur wir in die Höhe kommen!
Mit Notwendigkeit mußte das zu dieser Selbstvernichtung führen, sie mußten einander auffressen, sobald die Erde zu klein wurde und jeder Platz besetzt war, als die letzten zur Krippe kamen und meinten, sie hätten dasselbe Recht auf die fetten Bissen wie die andern.
Aber alle behaupten, sie seien in den Kampf hinein gezwungen worden, sie kämpften für die hohen Ideale. Wie ist es so gekommen?
Es mußte so kommen! Europas Kultur hat versagt; sie war innerlich faul. Wie der kranke Baum im Walde stürzte sie zusammen, sobald der Sturm losbrach.
Kultur? Ja, was ist sie denn, wenn sie nicht das wilde Tier meistert, wenn sie es nicht fortführt aus der Barbarei? Das ist ja ihr innerstes Wesen, ohne das ist sie eine leere Schale.