Nun geht es vom Gebirge, von dem weitgedehnten Hochland hinab ins Land der ernsten großen Wälder.
Von der Skyßstation in Sollien fuhr ich mit frischem Pferd weiter, die Hügel hinab ins Glommental. Wie bedauerlich wenig Zeit wir Menschen brauchen, um unsere Lebensbedürfnisse zu steigern! Früher schien es herrlich, mit Pferd und „Stuhlkarre“ zu reisen. Jetzt aber, nachdem wir seit wenigen Jahren die Automobile haben, bewundert man die Geduld der Menschen, die sich dareinfinden, ihre Zeit damit zu verlieren, sich in einer Karre schütteln zu lassen und ein müdes Postpferd vorwärts zu treiben.
Das Pferd, das ich hier bekommen hatte, war übrigens recht willig. Gern ließ ich den kleinen erst zehnjährigen Kutscher fahren, denn er kannte das Pferd wohl am besten.
Als es aber einen langen Hügel hinabtrottete, stolperte es, fiel in die Knie, versuchte wiederaufzukommen, schlug aber dann einen Purzelbaum und lag auf dem Rücken, die Beine in der Luft.
Ich sprang aus dem Wagen und hielt dem Pferd den Filzhut über die Augen, damit es nicht zappeln und die Gabeldeichsel zerbrechen sollte. Der kleine Kutscher war beherzt. Ein bißchen weinen mußte er ja, gleichzeitig aber gab er mir mit der Miene des erwachsenen Mannes Bescheid, wie ich das Pferd ausspannen müsse. Bald hatten wir das Geschirr herunter, das Pferd wieder auf den Beinen und vorgespannt. Wir stiegen ein und fuhren weiter.
Ein wunderliches Pferd, mitten auf ebenem Weg einen Purzelbaum zu schlagen. Ich ergriff die Zügel, merkte aber bald, daß es leicht stolperte und fest im Zügel gehalten werden mußte.
Sie hätten das Pferd eben erst aus der Stadt bekommen, sagte der Junge, und er kenne es nicht. Wahrscheinlich war es ein Kutschpferd, das von den Steinstraßen kranke Beine bekommen hatte; durch die Automobile vertrieben, sollte es nun seine letzten Jahre als Postpferd hier auf dem Lande abdienen, wohin das Automobil noch nicht gelangt war.
Aber nein, dieses Beförderungsmittel ist ein Überrest aus der Vergangenheit. Bald wird das Automobil auch in diesem Tal, wie in allen andern, siegreich seinen Einzug halten. Schließlich werden die Pferde nur noch zur Holzbeförderung im Walde gebraucht werden; denn dahin können die Autos noch nicht vordringen. Aber wer weiß, was kommen wird? Wir haben schon merkwürdigere Dinge erlebt als die Beförderung von Holzstämmen mit Automobilen.
Endlich kam ich an den Bahnhof Atna. Von dort ging es mit der Eisenbahn südwärts nach Koppang und von da mit dem Automobil nach Åsheim am Nordende des Storsjö im Äußeren Rental. Dort wollte ich einige Tage bleiben und fischen.