Etwa gegen zwölf Uhr zogen wir los, Klein-Olav und ich. Erst mußten wir durch den Renafluß, da das Hochwasser im Frühjahr die Brücke fortgerissen hatte. Dann ging es durch den Wald aufwärts. Es war eine Brathitze, und man mußte die Kleider ablegen, soweit es ging. Je höher wir hinaufkamen, um so gespannter wurde ich, diesen merkwürdigen Schneider zu sehen.

Endlich erblickten wir die Häuser von Misteregga zwischen den Bäumen, und als wir auf die Landstraße hinauskamen, erhob sich vom Straßenrand ein junger Mann und wünschte „Guten Tag“.

Ein hübscher, stark gebauter Mensch von Mittelgröße, oder vielleicht eher klein, im braunen Jagdanzug mit Kniehosen, mit blondem Knebelbart, sonst glatt rasiert, mit lachenden, treuherzigen Augen.

Das war der Schneider Rikard Kvernnes, auch Rikard Odden genannt, nach dem Haus nördlich vom Lomnessee, in dem er wohnte. Von dort war er auf dem Rade gekommen. Er trug eine lange Angelrute aus Bambusrohr mit Roller.

Wir gingen ostwärts die Anhöhen hinauf. Trotz seines steifen Beines marschierte mein Begleiter leicht. Es schien ihn keine Anstrengung zu kosten, Schritt zu halten.

Wir stiegen etwa anderthalb Stunden, bis wir vom Weg abbogen; dann ging es die waldigen Berghänge nach dem engen Tal hinab, auf dessen Grund tief unten die Mistra schäumt.

Im allgemeinen fließt die Mistra in gleichmäßigen Stromschnellen schäumend über und zwischen runden Steinen, ohne tiefere Stellen. Hier halten sich in der Hauptsache nur kleine Fische auf. Dann aber verlangsamt der Fluß, oft in langen Abständen, seinen munteren Lauf in langen Vertiefungen, in denen die großen Fische stehen.

Nachdem wir einen steilen Abhang hinabgeklettert waren, standen wir endlich am Fluß. Der Schneider schlug vor, wir sollten erst aufwärts von einer Gumpe zur andern gehen, um dann am Abend wieder herunterzuwandern. Das taten wir, aber wir bekamen nicht einen großen Fisch.

Es war drückend schwül. Schwere schwarze Wolken zogen sich im Osten über der Schlucht zusammen. Man hatte das Gefühl, daß ein Gewitter im Anzug war. Aber es standen Wolken vor der Sonne, und daher mußte jetzt am Nachmittag gut fischen sein. Ich versuchte es erst mit der Fliege, und dann benutzten wir Wurfköder mit Rotauge als Lockspeise, eine Angelmethode, in der der Schneider Meister war. Aber wir hatten keinen Erfolg.