Gewiß, das Öl war gut. Ein oder zwei Stunden lang kam einem keine Mücke zu nahe, wenn man sich ordentlich eingeschmiert hatte. Aber wir mußten mit dem Vorrat sparen, bis wir zur Mistra kamen, wo das ernstere Geschäft, das Angeln, vor sich gehen sollte. Wir wußten ja auch, daß am Abend die Mückenplage noch schlimmer wird.
Das Essen schmeckte jetzt, aber noch mehr das Bier, das in dem Bach schön kalt wurde. Wir beschlossen, auch gleich die zweite Flasche zu leeren; es gab kein Widerstreben. Abends konnten wir dann den Kaffee trinken. Die Sonne brannte heiß, der Himmel war wolkenlos, es hatte also keine Eile, an den Fluß zu kommen und mit dem Angeln zu beginnen.
Wir wateten durch den Renfluß und kamen zu der Fischgumpe in der Mistra. Wir beide verwandten Wurfköder, aber ohne Erfolg. Es war zu klares Wetter, vielleicht wurde es gegen Abend besser.
Wir gingen flußabwärts.
Ich kam an eine große tiefe Gumpe unter einer jähen Bergwand, wo man im Schatten stand. Hier mochten wohl große Fische stehen. Ich warf den Köder nach der andern Seite hinüber und ließ ihn treiben, während ich ihn hereinzog; er kam gerade dahin, wo ich ihn haben wollte.
Aber dort am Rand der Strömung? Ein schwerer Platsch, ein gelbes Aufblinken, ein runder dunkler Rücken, ein breiter Schwanz schlug aus dem Wasser auf. Es zog an, die Schnur lief vom Roller, und die Angelrute stand rund wie ein Rad. Ich stemmte mich dagegen, soweit es irgend anging. Es kam darauf an, den Fisch in der Gumpe zu behalten. Kam er erst in die Stromschnelle hinab, dann war es ungewiß, ob ich mit ihm fertig werden könnte, denn die Bergwand fiel senkrecht ab, und der Fluß war tief und reißend, so daß es nicht leicht war zu folgen.
Am Rand der Stromschnelle kam es zum Kampf. Ich wußte, das einfache Vorfach, wenn es auch dünn war, war gut, und die Schnur hielt wohl, und eine geschlissene Bambusrute ist nicht leicht zu brechen. Das Ende vom Liede war, daß ich den Fisch wieder in die Gumpe hineinbekam; dort ging es blitzschnell im Kreise herum.
Während ich mit diesem Tanz beschäftigt war, sah ich den Schneider auf der Bergwand über mir. Er kletterte herunter, um mir zu helfen.
Bald wurde die Forelle schwächer, und endlich zeigte sie den Bauch. Ich zog sie direkt in den Kescher des Schneiders hinein. Sie kam ans Land; groß und blank lag sie im Sand zwischen den Steinen, wand sich und schlug. Sie war nahezu drei Kilo schwer.
„Das verdiente einen Trunk,“ meinte der Schneider, aber den Trunk hatten wir nicht.