In Nes hielt sich ein Schotte, Sir James F., mit Lady auf, um im Sevrefall zu fischen. Er fand es einigermaßen unbequem, daß er Tag für Tag die lange Strecke bis dort hinaus fahren mußte. Er war seit dem 4. Juli da und wollte bis zum 26. September bleiben. Am Nachmittag angelten er und die Lady im Flusse bei Nes ohne Erfolg. Die Lady beklagte sich sehr darüber, daß sie nicht mit angeln könne; aber sie wage es nicht, in Kniehosen zu gehen, sagte sie, um bei den Bauern nicht anzustoßen. Für sie und Sir James war es eine große Erleichterung, als ich versicherte, die Bauern würden es ertragen, selbst wenn Lady die unerhörte Unanständigkeit begehen sollte, in Hosen zu gehen.

Unser Hotelwirt in Nes war ein gewandter Mann, der sich fein ausdrückte. Mein Hund Jompa sei „kongservastiv“, meinte er; er halte sich an die Damen und wolle nichts mit den andern Kötern zu tun haben. Eine Erklärung dafür, weshalb das besonders konservativ war, erhielt ich nicht.

Übrigens erzählte er auch, wie er gelegentlich seine Gäste hinters Licht führte. Er hatte einen einfachen Rotwein, den er sich mit zwei Kronen die Flasche bezahlen ließ; der war ziemlich sauer. Einige Engländer hatten gemäkelt und gefragt, ob er nicht einen teureren Wein hätte. O ja! Er war in den Keller gegangen und hatte einige Flaschen derselben Sorte, aber bestaubt und beschmutzt, hervorgeholt. Die brachte er behutsam herein und sagte, sie kosteten vier Kronen die Flasche. Da habe der Wein gut geschmeckt, behauptete er; das mit den feinen Weinen sei meist Einbildung.

Am Freitagmorgen (9. September) kam die schlimmste Prüfung. Es galt, Abschied zu nehmen von Erik Werenskiold und Moltke Moe, die wieder zurück mußten, während ich mit Saumpferden westwärts ins Gebirge hinein weiterreiste.

Im Rukketal sprach ich bei Ola Haraldset vor, den ich gern mit auf die Jagd nehmen wollte. Es war aber nur die Frau zu Hause. Der Mann war oben im Gebirge, um einige junge Hunde abzurichten. Aber in ein paar Tagen werde er zurück sein, und dann käme er vielleicht nach. Also ging ich allein weiter, an Liaset und Brynhilds-tjern vorüber nach der Holmevaßhütte.

Am Sonnabend (10. September) streifte ich über alle Hügel und Spitzen östlich des Holmesees, um nach Schneehühnern und nach der Brenbu-Alm zu suchen, wo ich eigentlich bleiben wollte. Schneehühner fand ich nicht viele, nur zwei Völker, aber die Alm fand ich endlich am Nachmittag.

Brenbu-Alm, Sonntag, 11. September 1898.

Auf der Alm. Der Tag geht zur Neige. Auf dem Herde glimmt die Glut. Die Hunde liegen auf dem Boden, müde von der Jagd, glücklich, daß sie ausruhen können. Ich sitze auf dem Bett und schaue durchs Fenster auf die Berge hinaus.

Draußen liegt Bergrücken hinter Bergrücken. Hier vorn zwischen den niedrigen birkenbestandenen Anhöhen einige sumpfige Weiher, jetzt dunkel und still nach dem Sturm, der noch die Wolken über die Rücken jagt.

In weiter Ferne aber blinkt zwischen blauen Bergrücken ein goldener See, gerade unter dem schmalen Lichtstreifen des Sonnenuntergangs, wie ein lockendes Nixenauge. Es sendet Kunde und Grüße. In den goldenen Fluten ist Ruhe für die brennende Menschenseele.