Sonntag, 18. September.
Von Süden her ziehen dunkle, drohende Wolkenbänke herauf. Der Nebel treibt über die Bergrücken; bald haben wir Regenwetter. Ich bin jetzt mit dieser Natur vertraut geworden und kenne sie in Sonnenschein und Nebel. Auf dem Angesicht der Erde wohnen wir Menschen. Dieses hier ist die Stirn, von den Zeiten gefurcht. Nun zieht sie die Kappe über. Drunter ruhen die Erinnerungen der Jahrmillionen, die wir nur ahnen. Und der tiefe Gebirgssee sieht dich an wie ein dunkles Auge. Er scheint dir soviel zu sagen zu haben, aber du verstehst es nicht. Vielleicht ist es nichts für dich, oder liegt vielleicht gar nichts in der Tiefe des dunkeln Auges?
Montag, 19. September.
Heimwärts. Weit draußen kehrt eine Herde ebenfalls aus dem Gebirge zurück, der letzte Nachzügler, der noch auf einer Alm irgendwo oben in Tunhövd gewesen ist.
Hör’, wie die Mägde locken und jodeln, um die Herde beisammenzuhalten. Es geht ins Tal zurück. Wieder liegt das Gebirge einsam da und verstreut sein rötliches Herbstgold unter treibenden Wolken — und die Nixenseen spiegeln den Himmel in ihren blauen Träumen...
Winter im Gebirge
Januar bis Februar 1900.