Es war am Dienstag, 30. Januar 1900. Von Bolkesjö wollte ich auf Schneeschuhen nach Norden über den Bleberg hinunter zum Sörkjesee fahren und dort einige Wochen in der Ormanhütte bleiben. Ein Bursche namens Holgje kam als Träger mit. Als wir zur Blespitze hinaufstiegen, herrschten dichtes Schneetreiben und starker Wind, und nichts war zu sehen. Da lief ich lieber die langen Abhänge nach Bolkesjö zurück, in der Hoffnung, am nächsten Tag besseres Wetter zu haben.
Am Mittwochmorgen machte ich mich mit Holgje wieder auf den Weg über den Ble. Nun war es aber schlimmer geworden. Es schneite und wirbelte, daß Himmel und Erde eine Schneemasse zu sein schienen und wir nicht viele Schneeschuhlängen weit sehen konnten.
Holgje war leicht bekleidet; er sagte, er sei noch nie in einem solchen Wetter draußen gewesen. Er hielt die Hand vors Gesicht, beugte sich vornüber und stemmte die Schultern gegen die Windstöße, während wir so gut es ging aufwärts stiegen. Als ich ihn einmal ansah, waren seine Backen und Kinnladen ganz weiß. Ich rieb sie, bis der Blutumlauf wieder in Gang kam. Doch wir waren noch nicht weit gegangen, als seine Kinnladen wiederum ganz steif gefroren und von dem Treibschnee mit einer Eiskruste bedeckt waren. Wieder knetete ich.
Aber das Wetter wurde schlechter statt besser. Es sah aus, als ginge der Wind mitten durch den armen Holgje hindurch, und zum drittenmal waren seine Kinnladen und Backen weiß, und von neuem mußte ich sie kneten. Jetzt begann er aber zu wimmern und zu klagen. Er fand es unheimlich.
Wir mußten in der Nähe der Blespitze sein; es herrschte aber ein solcher Schneesturm, daß wir, selbst wenn wir bekannt gewesen wären, Schwierigkeiten gehabt hätten, die Åkelischlucht zu finden, wo wir nach dem Sörkjesee abbiegen mußten. Ich wagte es nicht, die Verantwortung für den Burschen auf mich zu nehmen. Es blieb nichts anderes übrig, als abermals umzukehren und wiederum abwärts zu rutschen. Jetzt hatten wir den Wind im Rücken, und es ging schnell.
Am Abend kamen wir nach Bolkesjö zurück. Dort waren in diesen Tagen viele Leute, Anwälte, Amtsrichter und Förster aus Kongsberg, Skien und Kristiania. Es war Berufungsverhandlung in einer Sache wegen Holzschlagrechts im Walde. Es konnte nicht ausbleiben, daß diese Leute über einen Nordpolfahrer lächelten, der zweimal wegen Schneesturms im Blegebirge umkehrte.
Damit hatte ich genug von dem Weg die Abhänge hinauf, und Holgje hatte sicherlich mehr als genug. Am nächsten Morgen wollte ich über Hovin fahren. Aber der Posthalter vergaß, daß er mir einen Wagen versprochen hatte. Er hatte sich wohl mit Torjus einen ordentlichen Rausch angetrunken, da am Abend das Urteil in der Holzschlagsache gefallen war und sie verloren hatten. Ich mußte mir aus dem Nachbarhotel einen Wagen verschaffen und verspätete mich um einige Stunden. Aber nach Fosso in Hovin kam ich trotzdem; dann ging es auf Schneeschuhen den Abhang hinauf an Knutsgard und Nystöl vorbei über den Sörkjesee, und am Nachmittag erreichte ich die Ormanhütte.
Dort traf ich Halvor Kåse aus Rollag im Numetal. Ich hatte ihn dorthin bestellt, und er hatte seit Dienstag gewartet. Als ich aber auch am Mittwoch nicht gekommen war, war er ins Dorf hinuntergestiegen, um sich telephonisch nach mir zu erkundigen. Er habe nicht glauben können, sagte er, daß ein Mann wie ich sich von dem bißchen Schneegestöber habe abschrecken lassen.
Freitagabend.