So bin ich also wieder im Gebirge. Schneeweiß und rein liegt es vor mir, das weite Hochland, lange Schneeschuhbahnen und freier Himmel. Weit weg, tief unten liegt das Tal.
Welch frisches, freies Leben! Warum ist es nicht immer so?
Man arbeitet, wenn man will und solange man will; nichts stört den Arbeitsfrieden. Und ist man müde, dann auf Schneeschuhen hinein zwischen die weißgekleideten ernsten Tannen, die Birkenhalden hinauf über die Berge. Alles große, klare, reine Linien. Ja, warum richten wir uns das Leben nicht so ein?
Draußen steht die schmale Sichel des neuen Mondes über dem Gebirgsrande. Vom Süden, vom Åkeligipfel her, zieht ein Wolkenschleier herüber. Bald ist es dunkel. Ich kann nur schwach noch die dunkeln Umrisse der Tannen von der weißen Eisfläche unterscheiden.
Aber wie gemütlich ist es hier im Zimmer! Im Kamin knistert lustig das Birkenholz und verbreitet Licht und Wärme. Es ist so warm, daß sich auch die Fliegen wohl fühlen. Sie sind mitten in der Winterkälte erwacht und summen unter dem Dach.
Wie gewöhnlich sitze ich da, starre in die Glut und folge den flackernden Flammenzungen, die an den rußigen Platten hinanlecken, in den Schornstein hinein.
Es ist, als hätte man immer so gesessen seit dem Winter in der Hütte unter der Erde dort im Norden, im Franz-Joseph-Land. Aber der Raum ist größer geworden. Man kann unter dem Dach aufrecht stehen. Die Tranlampe ist verschwunden. Durch die Fenster kann man in den Winterabend hinausschauen, und die Kleider, die schweren, fettgetränkten Kleider, die fest am Leibe klebten, sind gewechselt; sie sind rein und weich und trocken geworden. Unwillkürlich reckt man sich vor Wohlbehagen.
Aber das Leben dort im Norden war wohl auch frei und ungestört genug? Ja, freilich; gleichwohl hielt es sich unter dem Mindestmaße der täglichen Lebensnotwendigkeiten.
Wie viele unvernünftige Lebensbedürfnisse haben wir Kulturmenschen uns zugelegt, während wir die wirklich nützlichen Dinge wie Selbstverständlichkeiten gebrauchen, ohne zu bedenken, welche Güter sie sind. Z. B. die Nägel! Dort im Norden bekamen wir das zu fühlen, als wir sie uns selber aus Knochen herstellen mußten.