Drinnen und draußen herrscht feierlicher Sonntagsfriede, trotzdem es Montag ist. Ja, wahrhaftig, es ist Montag, und dort unten auf Holmenkollen bei Kristiania ist Schneeschuhlauf; da gibt’s Tausende von Menschen, Pferde und Schlitten und Bankreihen, und Hurrarufe und Gelächter.
Ja gewiß, das ist Leben und Frische, ein Bild von Schnee, von Winter und norwegischer Jugend! Und was hat es nicht unserm Volke gegeben! Man denke nur einige Jahre zurück, was die Jugend damals getrieben, und wie tot es damals im Winter rings um die Städte und in den Tälern war; kaum eine Schneeschuhspur in dem tiefen Schnee zu sehen. Und jetzt? — Wenn nur nicht soviel „Sport“ dabei wäre, „Rekorde“ und all das Unwesen, das, wie die Fremdworte selber, aus der Fremde eingeführt ist — das verdeckt die Sonne....
Ich bin heute ganz allein. Halvor habe ich ins Tal nach Proviant geschickt. In einem Umkreis von vielen Meilen kein lebendes Wesen. Nur Meister Lampe sitzt im Schneewetter weiß und schön unter den niedergeschneiten Tannenbüschen; er macht sich’s bequem, putzt sich und sieht in die Sonne wie ich.
Weit weg, tief unter diesen weißen Flächen, wogt das Leben des Menschengeschlechts...
Ja, das Leben! Was haben wir daraus gemacht? Eine endlose Reihe von Trivialitäten und Kleinlichkeiten! —
Und was haben wir uns gewünscht? Das Dasein einfacher zu gestalten, damit wir das schaffen können, was wir eigentlich wollen, und daß die Kräfte nicht unterwegs von allerhand Kleinlichkeiten aufgebraucht würden, von all dem, was wir nicht wollen. Volle Entfaltung unserer Kräfte, unserer Persönlichkeit, unseres innersten Wesens — das, was wohl die Bedingung für alles echte Lebensglück ist.
Wie weit sind wir gekommen? Es geht den verkehrten Weg. „Mach die Schleppe länger, und du machst die Schwingen kürzer,“ heißt es. Aber ist es nicht gerade die Schleppe, an der wir arbeiten? Jede neue Erfindung kann wohl Erleichterung geben, vermehrt aber die Bedürfnisse und bindet uns fester an Kleinlichkeiten. Das Leben wird immer verwickelter.
Vom Zelt und dem Kamelhaarmantel sind wir weit abgekommen!
Und die Schwingen?