Doch man muß schlafen. In wenigen Stunden kommt das Schleppnetz herauf, und dann gilt es wieder die ganze Nacht zu arbeiten, Temperaturen zu messen und Wasserproben aus der Tiefe zu holen. — Schlafen, wie man nur auf See schlafen kann.
Nördlich von Island, Sonntag, 29. Juli.
Nebel, Nebel — über uns, um uns — Nebel, wohin wir schauen.
Aber fahr weiter durch den Nebel, während das Meer dir entgegenwogt und dir Botschaft und Grüße bringt von der unsichtbaren Welt da hinten, du weißt nicht woher — dir Sehnsucht bringt, du weißt nicht wonach. Du ahnst nur, daß es eine Sehnsucht gibt nach irgendwohin im Raum — hinter, über dem Nebel, wo der Tag klar ist und die Sonne auf blinkende Zinnen scheint.
Hallo, da wird in der Maschine halbe Fahrt signalisiert. Der Nebel draußen ist dicht wie Brei. Wir können nur ein paar Schiffslängen vor uns sehen.
Das ist der Eismeernebel. Das ist die Grenzscheide, wo die warmen, salzigen Meeresströmungen des Südens mit den weißen Eisfeldern zusammentreffen. Und Wogen kommen und Wogen gehen, wir sehen nicht woher und wissen nicht wohin.
Irgendwo im Süden liegt Island, das Land der Sagas — im Norden liegt das Eis. Aber aus diesen wollgrauen Nebelmassen kommen kühne Wikingerschiffe aus längst verschwundenen Zeiten mit niedrigem Segel vorübergefahren — wetterharte Kerle mit struppigem Bart, den Kopf frei auf starken Schultern und scharfe Augen unter den Brauen — Kerle, denen das Leben ein Spiel ist, die aber auch den Tod nicht fürchten.
Da fährt der geächtete Eirik Raude, vierschrötig und zerlumpt, aber mit zähem Willen; dir passen Nebel und Eis. Da steht Leif aufrecht und ruhig am Achtersteven, der Verwegene mit den weiten Zielen und der sicheren Überlegung. Du vermeidest am liebsten das Eis und suchst das offene Fahrwasser.
Sie verschwinden wieder im Nebelmeer, während Island dort im Süden liegt und seine Erinnerungen an Tat und Missetat hegt.