Wir kommen näher. Ich starre nach Thingeyre hinüber. Ich erkenne das Haus wieder, in dem wir wohnten und drei Mann zusammen in einem Schlafsack auf der Diele einer Bodenkammer schliefen — wo ich, auf der Diele dieser Bodenkammer auf dem Bauche liegend, eine Abhandlung über den „Hermaphroditismus des Schleimaals“ schrieb... Und auf einmal stehen jene Tage mit all ihren unruhigen Erwartungen und unsicheren Ahnungen leibhaftig vor mir.

Wir warteten damals auf das Schiff, das uns an die Ostküste Grönlands bringen sollte, wo wir durchs Treibeis an Land wollten, um über das Inlandeis zu gehen.

Es war im Grunde keine begehrenswerte Zeit. Keine Ruhe, um sich irgend etwas zu widmen. Die Berghalden entlang unternahmen wir unsere Ausflüge zu Pferd. Aber auch diese konnten wir nicht ganz genießen, ebensowenig wie den Ritt zum Glåmugletscher. Wie eine Nebelwand lag es ja vor uns, dieses Unbekannte, in das wir hinein-, durch das wir hindurchfahren sollten — wie die Nebelkappe jetzt dort über dem Glåmugletscher.

Aber der Dampfschiffsschornstein dort drinnen wurde doch zu einer Fabrikesse, und das Helle dort oben an der Halde muß Bergs Haus sein.

Der Geruch sollte uns auch nicht lange darüber in Zweifel lassen, daß wir in der Nähe einer Walfischfängerstation waren. Vorsichtig fuhren wir ein und ankerten neben drei Walfischfängern, die dort vertäut lagen.

Gegen sechs Uhr morgens ging Kapitän Sörensen an Land und begrüßte Berg. Dann mußten wir nach Thingeyre hinüber, um Kohlen zu bestellen und meinen alten Wirt, den Holsteiner Herrn Wendel, zu begrüßen. Dann zurück und vor Framnes anlegen; und drei Tage lang war das Leben eitel Sonnenschein.

Im Grunde ein prächtiger Ort. Der Fjord voll von Fischen und Enten und Seevögeln, Forellen in den Flüssen, Schneehühner auf den Bergen und dann die herrlichen Ausflüge zu Pferd. Was will man noch mehr? Hier mußte man leben können, unterdessen mochte die Welt weiterrollen. — Die Chinesen schlachten Europäer ab und die Engländer Buren — was geht das uns hier an? Man hat Telegraph und Post vergessen — und das Telephon.

Dienstag, 31. Juli 1900.

Ich besuchte einen alten Dichter, Sigvathor Grimsson. Er ist Bergs nächster Nachbar und sein Pächter. Er ist 60 Jahre alt und hat in seinem Äußern nicht gerade viel von einem Dichter. Als ich zu ihm kam, stand er gerade gebückt da und mähte. Er war dabei, einen Rasenhügel mit einer kurzen Sense zu barbieren, wie sie in Norwegen und Island benutzt wird, wo die vielen Steine im Gras dazu nötigen.

Erst wurden die notwendigen einleitenden Bemerkungen über dies und jenes erledigt. Er brachte seine Versicherung, daß er so vornehmen Besuch nicht erwartet habe, in gutem Dänisch vor, wobei er ständig die Anrede brauchte: „Mein guter Herr.“ Dann kamen wir ins Plaudern.