Ich fand, es müsse doch mühsam sein, eine Wiese zu mähen, die so dicht mit Höckern bedeckt sei wie diese, und fragte, wie er dies Jahr für Jahr tun könne.
Erstaunt entgegnete er, wie es denn anders gemacht werden könne. Ich meinte, es müsse doch weit besser sein, das Feld flach zu pflügen.
„Nein, mein guter Herr, dann würde ja die Fläche, auf der Gras wachsen kann, viel kleiner!“
Das war auch ein Gesichtspunkt. Aber sonst war das Pflügen in diesen letzten Jahren hier nicht mehr unbekannt. Als ich vor zwölf Jahren nach Grönland reiste, kaufte ich das einzige Pferd auf Island, das, wie man sagte, vor einem Pflug erprobt war und daher ziehen konnte, was die isländischen Pferde sonst nicht können.
Dann fragte er, ob ich ins Haus treten wolle. Durch den niedrigen, gekrümmten dunkeln Gang, der sich fast wie der Hausgang einer Eskimohütte ausnahm, kamen wir in einen Raum, der so niedrig war, daß ich nicht aufrecht stehen konnte. Da lagen Bücher die Wände entlang in Haufen aufgestapelt, meist uneingebunden, von verschiedener Art, von Familienzeitschriften angefangen bis zu Sagas.
Dann ging es eine Treppe in das Obergeschoß hinauf, das ein gemeinsamer Aufenthaltsort unter dem Dachboden war: Wohnstube, Arbeitszimmer und Schlafraum für ihn und die ganze Familie.
Hier lag auf einem Tisch am Fenster sein Arbeitszeug, Feder und Tinte. Wenn er aber schrieb, saß er auf einem Schemel und hielt ein Brett als Schreibtisch im Schoß. Hier verbrachte er, soweit ich erfahren konnte, den größten Teil des Winters und seine sonstige von Landarbeit freie Zeit.
Er zog seine Manuskripte hervor, sechs dicke Bände über isländische Priester, schön und dicht beschrieben; dazu kamen noch mehrere Bände mit Nachträgen.
Über den Inhalt kann ich nicht urteilen. Aber eine Riesenarbeit ist allein schon die Niederschrift, und sie ist geleistet ohne Hoffnung, sie jemals gedruckt zu sehen. Es soll eine Arbeit sein, die er kommenden Geschlechtern hinterläßt und die auf der Kopenhagener Universitätsbibliothek aufbewahrt werden soll, wenn sie nicht etwa jetzt der Reykjaviker Bibliothek übergeben wird.
Wahrhaftig, mich überkam Bewunderung für diesen alten Mann, wie er dort in dem engen Zimmer stand. Für wen arbeitete er? Nicht für Ruhm — es müßte höchstens bei der Nachwelt sein. Etwa für die Menschheit?