Plötzlich muß ich an ein Bild denken, das mir einst Erik Werenskiold mit Worten malte. Ich sehe es aber, als habe er es mit seinem Pinsel gemalt:
„Wir Menschen in den Städten, sind wir nicht wie Tiere, die in Kisten leben? Erst schlafen wir in einer Kiste, dann schlüpfen wir hinaus durch einen schmalen Zwischenraum und hinein wieder in eine andere Kiste. Dort bleiben wir einige Stunden, dann kehren wir wieder in die vorige Kiste zurück. Nach ein oder zwei Stunden geht’s wieder in eine dritte Kiste. Wenn wir dort eine Weile gewesen sind, dann schnell zurück in die vorige Kiste.“
Ja, genau so ist es. Und so vergehen die Jahre, drinnen in diesen Kisten. Und das nennen wir das Leben! Und darin pflanzen wir uns fort und schaffen neue Geschlechter, die dasselbe Kistenleben fortsetzen sollen.
Und wenn es einmal so eine rechte Freude sein soll, dann schlüpft ein Teil der Tiere in eine größere Kiste, um miteinander zu essen. Da sitzen sie reihenweise auf ihren Hinterteilen, die Vorderpfoten auf einem Brett, und stopfen fünf, zehn, fünfzehn verschiedene Sorten Nahrung in sich hinein, je nach der Größe der Freude, und trinken entsprechende Mengen starker Getränke, bis sie sich selbst und die andern und die Kistenwelt in einem idiotischen Nebel sehen. — Das nennt man Fest....
Aber dieser Bach rinnt Jahr um Jahr und gräbt langsam sein Tal, und der Wald steht still, gilbt im Herbst und grünt im Frühling. Und wie viele sehen den Bach außer dem großen Elch, der haltmacht und trinkt — dem kleinen Hasen, der angehoppelt kommt und im Grase äst — und dem Fuchs, der in der Dämmerung behutsam heranschleicht, um Hasen und Vögel zu belauern?.....
Zu unsern Häupten ziehen die Drosselscharen hin und wieder. Sie sammeln sich jetzt im Herbst. Keck und lebensfroh sind sie. Bald flöten sie sich etwas zu, bald lachen und spotten sie kreuzvergnügt.
Warum findet ihr heuer das Leben so lustig, wo es doch so wenig Vogelbeeren gibt? Vielleicht deswegen, weil ihr trotz allem dahin zieht, wohin es euch gelüstet....
In einem Tannenwäldchen jenseits des Bachs fliegt der wunderliche Unglückshäher von Zweig zu Zweig. In der Regel ist er stumm und still, als trüge er das Geheimnis des Lebens. Zuweilen schlägt er einen melodischen, wehmütigen Flötenton an, aber zu andern Zeiten bricht er plötzlich in ein hitziges, schneidendes Lachen voller Zorn aus.
Rätselhafter Vogel! Aus dir werde ich niemals klug. Bist du vielleicht der, der dem unsteten Menschengeiste am ähnlichsten ist?