Vor solch einem Hintergrund bewegen wir uns und beschäftigen wir uns mit unsern kleinen Sorgen! Was werden sie in zwanzig, ja schon in zehn Jahren bedeuten? In welcher Welt von Kleinlichkeiten leben wir und sind wir verstrickt?
Nur eine solche Nacht — so weit, so einfach! Hierher trachten wir durch alles Hasten des Tages, ohne es zu wissen. Hier finden wir die Befriedigung unseres Sehnens nach Schönheit und Harmonie.
„Wir steigen hinab, um uns zu finden“, sagt man. Hat nicht jeder von uns, mag er noch so sehr Alltagsmensch sein, ein solches Heiligtum, in das wir leise treten? Aber das bewahren wir für uns selbst und „steigen hinab, um uns zu finden“.
Montag, 5. Oktober 1903.
Der Tag war am Freitag gerade angebrochen, als Andres und ich uns aufmachten. Wir wollten einen großen Ausflug nach Hovin hinunter unternehmen und Hasen und Schneehühner jagen. Der Himmel war überzogen. Vom Süden trieben dunkle Wolken heran, als wir über den Sörkjesee ruderten. Es konnte Regen geben.
Als Trygve uns am andern Ufer ans Land gesetzt hatte und wir die Moore hinaufgingen, hörten wir einen eigentümlichen Laut. Da war er wieder. Andres meinte, es sei wohl ein Fuchs am andern Ufer. Ich dachte an eine Lumme, aber eine solche war jetzt im Dunkeln nicht unterwegs.
Noch war kein Vogel wach. Oben auf dem Moor stand ein Schneehuhn schreiend vor dem Hunde auf. Ich konnte es in der Dunkelheit gerade noch weiß schimmern sehen.
Dann wurde es heller. Die Drosseln begannen zu erwachen und sich miteinander zu unterhalten, und bald gab es ein lautes Drosselkonzert. Aber der Hund, der draußen herumstrich, ließ nichts von sich hören. Der Boden war feucht und versprach einen guten Jagdtag — wenn nur kein Regen kam.
Endlich hörten wir Sang in dem Abhang zwischen Lauvhövd und Grönli, und bald war das Treiben im Gang. In großen Kreistouren ging es bergauf, bergab, den waldlosen Höhen zu. Endlich kam ein guter Hase den Weg flüchtig herab und fiel.
Noch drei Treiben gab es. Das Ergebnis waren vier Hasen; inzwischen war es wohl zwölf Uhr mittag geworden. Aber nun begann es im Ernst zu regnen; genieselt hatte es schon lange. Da gingen wir nach Rustaholte.