Der Hof war voller Kinder, die ins Haus liefen, als sie uns erblickten. Es war Schule. Aber wir wurden in die Schulstube hineingeholt und Kinder und Lehrerin solange hinausgejagt. All mein Bitten fruchtete nichts. Später aber gelang es uns, in die Käserei zu schlüpfen und uns auszuruhen.

Dort wurde uns etwas Essen gekocht, während wir uns mit Sveinung und seinem Vater unterhielten, einem drolligen alten Hallingbauern, dem die Rede aus dem zahnlosen Munde wie Wasser floß.

Während wir dort saßen, kam ein Mann mit einem Regenschirm und einem Gewehr herein. Es war ein Gelegenheitsarbeiter, der angestellt war, die Steuern einzutreiben und auszupfänden. Er hatte schon das Remingtongewehr als Pfand genommen und sollte nun auch noch bei andern Schafe pfänden.

Der Regen dauerte an, und da wir hier keine Unterkunft finden konnten, gingen wir nach Knutsgard hinüber. Dort wurden wir von Tor, dem Bruder Sveinungs, gut aufgenommen. Man würde uns die Nacht über schon unterbringen.

Den ganzen Tag regnete es in Strömen. Wir vertrieben uns die Zeit, so gut es ging, damit, daß wir an den Türen herumstanden, nach dem Wetter ausschauten, im Garten Johannisbeeren aßen und mit den Kindern plauderten, mit der kleinen schönen Ingeborg und den Zwillingen, die seit vorigem Jahr stark gewachsen waren. Aber der Junge war doch der prächtigere; zwei Jahre alt, bekam er noch Muttermilch. Das Mädchen war wohl soviel Mühe nicht wert.

Am Abend bekamen Andres, Tor und ich einen Grog, und ein Gespräch über die heurige Elchjagd entspann sich. Tor war von einer eigenen, unbestimmbaren Art. Schwarzhaarig, hatte er etwas Mongolisches an sich, während sein Bruder Sveinung ein blauäugiger Germane war.

Als ich Andres sagte, Tor sei doch gar so mager, er müsse zuviel auf die Elchjagd gegangen sein, antwortete Andres, Tor sei nicht mehr recht gesund gewesen seit dem Tage, da er vor einigen Jahren einen Knacks bekommen habe. Er hatte sich in Kongsberg auf dem Markte herumgetrieben und lag bei der Heimfahrt betrunken auf seinem vollgeladenen Wagen. Und wäre ihm nicht jemand, der ihn auf der Heimfahrt sah, gefolgt, dann wäre er damals wohl draufgegangen, denn als man ihn fand, war er fast erfroren. Das Pferd hatte die Beine zwischen den Zügeln verwickelt und konnte nicht weiter, und er lag besinnungslos auf dem Wagen. Es war krachend kalt, und man fand ihn gerade noch im letzten Augenblick. Seitdem ist er nicht wieder recht zu Kräften gekommen.

Ich lag lange wach und dachte über diesen Mann nach, während draußen der Regen immer noch herabströmte. Das kränkliche Gesicht mit dem halbscheuen Blick, den nervösen, hageren Zügen, den knochigen Schläfen, den hohlen, knochigen Backen, dem unruhigen Wesen.

Was konnte ihm noch das Leben sein? Etwa diesen kleinen Gebirgshof zu bewirtschaften und im Winter Holz zu fällen, oder sich herumzutreiben und aufzuspielen, oder auf die Elchjagd zu gehen? Was ist seine Jagdfreude? Ist es der Raubtierinstinkt, oder ist es der fahrende Geselle, die rastlose Jagd nach etwas, das in der Ferne liegt? —

Als ich tags darauf zu seinem Bruder Sveinung kam, der mit seiner Frau und der fünfjährigen Tochter gebückt auf dem Felde stand und Kartoffeln ausnahm, tauchte bei mir dieselbe Frage auf. Ist dies da das Leben für ihn? Es schien nicht gerade das zu sein, was am besten zu ihm paßte, zu dem gewandten, kräftigen Burschen, der auf allen Tanzböden obenauf war, den ich im Wald hinter dem Elch leicht wie einen Wolf laufen sah.