„Und,“ spricht er stockend und verlegen,
„Ich weiß nicht, red’ ich Jemand an?
Es ist an mir nicht viel gelegen,
Doch ganz man nicht verhungern kann!

„Herr,“ fleht er endlich einen Reichen,
„Sie borgen wohl acht Pfenn’ge mir?“
„Mein Freund, man borgt nicht eures Gleichen,
Und Bettlern geben selten wir.“ —

„Als Bettler ward ich nicht geboren,
Ein Bettler wird man erst alsdann —
Lehrt sanft der Greis den tauben Ohren,
Wenn man sich nicht mehr helfen kann!“

Ein Knabe zieht die Straß’ herunter,
Mit Rosenbüscheln zum Verkauf,
Der kleine Proletarier, munter,
Horcht bei des Alten Stimme auf.

„Herr“, spricht der Knabe sehr verlegen,
„Ich hab’ den Greis zwar nie gekannt,
Doch, wenn sie einen Argwohn hegen,
So bleib’ ich Ihnen gern zum Pfand! —

„Der arme Mann“, fleht er mit Beben,
„Er spielt den ganzen Tag schon hier,
Und kann die Arme kaum mehr heben.
Etwas verdient er schon dafür!

„Erbarmen Sie sich seines Lebens,
Er bringt das Geld schon morgen her,“ —
So fleht der Knabe, ach vergebens,
Der harte Reiche hört nichts mehr.

„Hört“, spricht zum Invalid der Knabe,
„Ich bind’ ein Sträußchen für euch los,
’s Ist freilich eine kleine Gabe,
Doch dies allein besitz ich bloß!“

Es wankt der Greis in seine Wohnung,
Wirft matt sich auf das faule Stroh,
„Ach“, — seufzt er bitter — „ohne Schonung
Behandelt man den Armen so?“

Die Nacht ging langsam ihm vorüber,
Es auf dem kalten Boden graut,
Da leuchtet wunderbar herüber
Ein herrlich lichtes Morgenroth.