Mit blauen Augen, sanft, voll Leben,
Wie mancher friedlich deutsche Strom,
Und wie die Heil’gen sie erheben
Im stolzen Vatikan zu Rom.
Es spielt auf off’nem Markt die Leier,
Der arme, alte Invalid’,
Von trüber Zeit, von alter, neuer,
Singt er dazu ein hübsches Lied:
„Oed’ und verlassen
Nah’ ich dem Grab,
Spielet ihr Lüfte,
Sanft mich hinab!
„Viel hab’ ich gelitten,
Gekämpft und gestrebt,
Für Deutschland gestritten,
Für Deutschland gelebt.
„Und eifrig that lieben
Ich Menschen und Gott,
Die Menschen, sie blieben
Mir fern in der Noth!
„Oed’ und verlassen
Nah’ ich dem Grab,
Spielet ihr Lüfte,
Sanft mich hinab! —“
Viel’ Leute gehn an ihm vorüber,
Die meisten sehen gar nicht auf,
Sein sanfter Blick wird trüb und trüber,
Doch spielt er immer wacker auf.
Der Abend naht, die Sonne sinket,
Der Alte packt die Leier ein,
Im Auge eine Thräne blinket,
Er seufzt: „man soll zufrieden sein.
„Ich dachte heute nicht zu fasten,
Und hofft’ auf frisches Lagerstroh!
Komm’, alter, lieber Leierkasten,
Man denkt, doch geht’s nicht immer so!
„Es waren freilich kühne Pläne,
Doch niemand hat mich angeschaut,
Man zahlt nun nicht mehr solche Töne:
Was fang’ ich an in meiner Noth?