Er ist schon fertig, spricht mit Würde:
„Der Wagen steht für uns bereit,
Du bist sehr schön, genug der Zierde,
Mein Kind, es ist die höchste Zeit!“
„Wie glücklich bin ich“, ruft sie leise,
„Auch ich,“ sagt lauter ihr Gemahl,
„Es macht mich Deine Art und Weise
Sehr stolz auf meine gute Wahl!“
„Komm“ — spricht er, froh an Faro denkend, —
„Dir Alles, Alles herrlich steht,“ —
Und seinen Kopf bedenklich senkend —
„Wir kommen wahrlich heut zu spät!“
Nur noch das Halsband mit Demanten,
Nur noch die Broche mit dem Opal,
Das Taschentuch mit den Brabanten,
Den Blüthenstrauß und dann den Shawl!
Zu End’ ist nun die Toilette,
In Wahrheit ein possierlich Bild,
Solch Thorheitseifer um die Wette,
Stets aus beschränktem Geiste quillt.
So jung, so schön, so voller Freuden,
So voller Anmuth und so reich,
Eilen hinunter nun die Beiden,
An Eleganz sich selber gleich.
Die reichen Menschenkindchen träumen
In dem Moment von Unglück nicht,
Da sieh, sich scheu die Rosse bäumen
Vor eines Mannes Angesicht.
Ein armer Mann, die Stirn voll Falten,
Mit stierem Aug’ und hohler Wang’,
Mit Lippen, dünnen, bleichen, kalten,
Die schon vertrocknet schienen lang;
Stand an des heitern Hauses Schwelle,
Verhungert und erstarret fast,
Der Mond beschien an jener Stelle
Das Elend unter seiner Last.
„Ich fleh’“ — spricht er — „um ein Almosen,“
Und küßt der schönen Frau die Hand,
Sein schwacher Kuß drückte die Rosen,
Die an des theuren Handschuhs Rand.