Hierauf tritt herein das gehörnte Pferd,
Das seltsam geformte, seltene Gnu
Und leicht hüpft herein das Känguruh.
Ein „Ach“ des Staunens im Kreise man hört,
Denn des Känguruh’s seitwärts laufender Sprung
Erregt die allgemeinste Bewunderung.

Der Bändiger führt nun auch Affen hinein,
Die Thiere ledig der keuschen Scham,
Die Menge es demüthigend überkam
Beim Schattenbilde vom menschlichen Sein —
Die thörichten Knaben nur jubeln dazu,
Der Bändiger benennet die Thiere im Nu.

„Ich sparte,“ ruft laut er, „trotz niederm Preis,
Was am meisten die Augen ergötzt,
Das Allerschönste Euch auf, auf zuletzt; —
Johanna, getrocknet schon ist Dein Schweiß,
Wir zeigen nun endlich die zwanzig Fuß lange
Und hundert Pfund schwere Riesenschlange.“

Und siehe, man treibt aus dem Seitenstall
Hinaus ein schneeweißes junges Lamm,
Ach, zaghaft das Auge in Thränen ihm schwamm,
Doch vorwärts dröhnt ihm der Peitsche Geknall.
Das Lämmchen, das heute zum Tode bestimmt,
Die Unschuld zu retten, kein Mensch unternimmt.

Nun trägt man hinein die riesige List,
Mit Kraft und Schönheit herrlich geschmückt,
Und drohend und schlau sie rings um sich blickt,
Und aus der Menge ertönet ein lautes Pst!
Johanna daneben, sie lächelt dabei
Und zeigt’ ihrer Zähne hell glänzende Reih’.

Die prächtige Riesin, sie wendet sich um,
Raubgierig spähend und unheilvoll,
Man sah, wie am Kopfe das Blut ihr schwoll,
Und windet sich um das Mädchen herum.
Die männliche Jungfrau, sie lächelt dabei,
Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.

Nun holt sie das Lamm, das niedliche Thier,
Hält’s geschickt vor ihr hin in der Hand,
Die Schlange blickt glühend unverwandt
Und zischend hascht sie darnach mit Begier,
Da zittert das Mädchen, das Antlitz entstellt,
Das Haar sich ihr sträubt, und das Lamm ihr entfällt.

Schnell will sie’s erhaschen, den Kopf sie senkt,
Doch im Zug sich das Unthier befand,
Ein Nu, ein Schrei, das Köpfchen verschwand,
Und die schöne Gestalt am Rachen hängt.
Noch hebt sich die Brust, noch zuckt es darin,
Und dem starren Vater läuft’s wild durch den Sinn.

Er zieht ein Terzerol, er feuert es los
Rasch in den giftigen Schlund hinein,
Die Tochter will er vom Fraße befrein.
Und richtig er traf, denn richtig er schoß:
Es wälzt sich in schwärzlichen Strömen von Blut,
In schäumenden Geifer die furchtbare Brut.

Nun öffnet der Bändiger den riesigen Mund,
Sein stierer Blick sprüht funkelnden Glanz,
Johanna ist todt, doch sie ist ganz,
Nur rund um den Hals, da ist es wie wund.
Die grausame Schlange nahm langsam sich Zeit,
Fast schien’s, als thät’s um die Jungfrau ihr leid.