Sah ich zur Erde nieder, zu allen Blumen hin,
Und fühlte wonnetrunken, daß ich so selig bin.
Die frischen, jungen Rosen, die Lilien weiß und schlank,
Die tausend kleinen Blüthen, und all der Vögel Sang.
Sie schienen mir zu sagen, sie hätten auch ein Herz,
Sie wollten mit mir fühlen und theilen Freud’ und Schmerz!
Zwei Nachtigallen riefen einander liebend zu,
Und dem Gesange folgte harmonisch tiefe Ruh’!
Ich sah die Sonne scheiden mit trübem Angesicht,
Ich wußt’ nicht, was es wäre, und sah ins Mondenlicht,
Die Schmetterlinge flogen zu Myrthenbüschen auf,
Ich blickte immer höher und sah der Sterne Lauf.
Verwundert und erhoben, schaut’ endlich ich ins Herz,
Und fühlte drin vereinigt die Sehnsucht, Lieb’ und Schmerz,
Da fragt’ ich mich ganz ernsthaft, wer schuf das Schöne, sprich,
Sprich, Seele, Herz, o sage: erschufst Du selber Dich?
Da rauscht es in den Palmen, mich faßt ein selig Weh!
Wer schuf mich und was bin ich, wer schuf das, was ich seh’?
Mein Auge hatte Thränen, vernehmlich rief’s in mir:
Er schuf aus Liebe alles, er schuf das Herz in Dir!
Gerecht ist er und weise, die Größe ist nur er,
Und heilig ist sein Name, er lautet: Ewiger!
Erhebe Dich, erkenne wie er unendlich gut,
Doch mehr kannst Du nicht wissen, Du klebst an Fleisch und Blut!
Du kannst das nie ergründen, was unergründlich ist,
So wie Du nicht ergründest wie tief die Tiefe ist. —
Nur leise wehten Zweige durch blaue Frühlingsluft,
Des Mondes bleiche Helle schien in die Felsenkluft.
Ich war bewegt und setzte mich an des Meeres Strand,
Sah in die Höh’ und Tiefe, sah in der Wellen Brand;
Gerührt und dankerglühet, rief ich: o Allmacht mein,
Die Gnade und Erbarmen und Liebe, sie sind Dein!
Ich weinte Freudenthränen, schon schien das Dämmerlicht,
Der Thau sank auf die Palmen, wie auf’s Vergißmeinnicht,
Da kam der Morgen wieder, vorüber war die Nacht,
Mich dünkt, als wenn ich schliefe — ich war erst aufgewacht!