Die Zeit des Schlafengehens naht aber jetzt, und hie und da schleichen einzelne mit abgebrannten Lichtendchen in der Hand die Treppe hinauf, denen die übrigen ebenfalls bald folgen und ermüdet das harte Lager suchen, welches nur aus einer Seegras-Matratze und zwei oder drei wollenenen Decken besteht. Die Lichter verlöschen nach und nach, und sobald sich die einzelnen Paare und Bettgenossenschaften verständigt haben, ob sie »doppelt-Adler« oder »löffel-artig« liegen wollen, herrscht für wenige Minuten tiefes Schweigen, das aber bald einem von allen Seiten hertönenden Schnarchen weicht, bei dem sich der daran nicht Gewöhnte oft stundenlang unruhig auf seinem Lager umherwälzt.
Es existiren übrigens auch mehrere amerikanische Boarding-Houses in Cincinnati, wo der Gast für 5 Dollars per Woche eine reinlichere und freundlichere Umgebung hat, das Unangenehme des Zusammenschlafens mit Mehrern findet sich in den meisten.
Money-Brokers.
Die Geldwechsler spielen in allen Städten Amerika's eine bedeutende Rolle, denn wo solch' unzählige Banken und Tausende von verschiedenen Banknoten und Münzsorten circuliren, ist es unbedingt nöthig, Leute zu haben, welche nicht allein die ächten von den nachgemachten unterscheiden können, sondern auch den Reisenden mit den für ihn brauchbarsten Münzsorten oder Tresorscheinen versehen.
Hunderte von Banken streuen jährlich ihre Noten unter die Bevölkerung der Vereinigten Staaten aus; viele bestehen fort und lösen später das ausgegebene Papiergeld wieder mit Silber ein, die meisten aber machen bankerott oder thun wenigstens was gleichbedeutend ist: sie nehmen nicht einmal mehr ihr eigenes Geld für den vollen Werth an, so daß es 20, 30, ja bei dem Mississippi-, Arkansas-, Atchafalaya- und Texas-Geld schon bis zu 70 und 80 Procent gefallen ist. Am schlimmsten stehen sich bei diesem fortwährenden Schwanken des Geldcurses die armen Leute, die Arbeiter und Tagelöhner, welche am Ende des Monats ihre paar Thaler in irgend einem Papiergeld ausbezahlt bekommen, das, wie ihnen der Broker sagt, »gut« ist – und wofür sie auch ihre Bedürfnisse an Kleidern und Schuhwerk kaufen können; morgen aber vielleicht schon heißt es – »die und die Bank hat ihre Zahlungen eingestellt.« Niemand nimmt die Noten mehr zu dem vollen Werth, und der Mann, welcher sich schwer und hart für die wenigen Dollars geplagt hat, verliert noch 15 bis 20 Procent daran, während die Bank von ihren eigenen Noten, so viel sie bekommen kann, schnell zu dem gefallenen Preis aufkauft und nach ein paar Monaten, nach deren Verlauf sie sich wieder für zahlungsfähig erklärt, Tausende verdient hat.
Ein fürchterlicher Mißbrauch wird mit diesem Papierwesen getrieben, und daneben existirt fast keine Bank, von der nicht Verfälschungen circuliren, zu deren Entdeckung wöchentlich Broschüren ausgegeben werden, welche die Namen der sogenannten »counterfeits« und den Werth der verfälschten Noten angeben. Auch hier ist es wieder der Arme, welcher durch diese den meisten Schaden leidet, da er die ächten selten von den unächten zu unterscheiden vermag.
Das wenige Silber und Gold hat übrigens durch die ganze Union denselben Werth und dasselbe Gepräge, wenn auch hie und da andere Namen, nur ist Cincinnati die westlichste Stadt, in welcher Kupfergeld circulirt (Cente, hundert auf einen Dollar); schon in Louisville, 150 Meilen westlich, kennt man als kleinste Münzsorte nur Picayunes oder half dimes (6¼ und 5 Centstücke), die von dort an einen andern Werth haben, und mit denen gegen die aus den östlichen Staaten ein bedeutender Handel getrieben wird, indem die half dimes dort, selbst noch theilweise in Cincinnati, nur 5 Cent gelten, und weiter den Ohio hinunter und am ganzen Mississippi für 6¼ angenommen werden.
Die Broker haben ihre kleinen, zierlich ausgeputzten Locale gewöhnlich an Straßenecken, um recht in die Augen zu fallen, und suchen etwas darin, durch in den Fenstern ausgelegte Packete Banknoten und kleine Haufen von Goldstücken die Augen der Vorübergehenden auf sich zu ziehen.
Auctionen.
In einem Lande, wo so viel und so großartig speculirt wird, wie in Amerika, ist es eine sehr natürliche Folge, daß sich auch Tausende in ihren Erwartungen und Hoffnungen betrogen finden, deren Eigenthum und Waare dann den Weg in die zahlreichen, durch die ganze Stadt zerstreuten Auctionslocale findet, und hier auf eine oft unglaubliche Art unter dem Werth verschleudert wird.